Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Grenzlinie November 2, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 11:29

Wenn Vergangenheit auf Zukunft trifftHeute hat ein seltsames Gefühl von mir Besitz ergriffen. Es fühlt sich an, als ob was mit meinem Zuckerspiegel nicht in Ordnung ist. So ein bisschen schwächlich, schwindlig und neblig. Vielleicht liegts ja daran, dass Montag ist und dass ich mich ausgelaugt fühle und etwas festgefahren. Dabei war mein Wochenende sehr schön. Ich habe Alex kennengelernt (eine echt coole Frau, sie führt einen Erotik-Laden), bin mit roten Strümpfen, hohen Absätzen und einem schwarzen, kurzen Rock durch die Weltgeschichte spaziert, habe feinen Geburtstagskuchen gebacken bekommen und war an einem fantastischen Konzert von Lisa Ekdahl. Kein Grund zur Klage. Kein Grund für einen Schwächeanfall. Kein Grund für gar nix.

Aber vielleicht ist das alles ja ganz normal. Vielleicht fühlt es sich einfach so an, wenn Vergangenheit auf Zukunft trifft.

Nun schreite herab, titanischer Bursche,
Und wecke die vielgeliebte Schlummernde dir!
Schreite herab, und umgürte
Mit zartlichten Blüten das träumende Haupt.
Entzünde den bangenden Himmel mit
lodernder Fackel,
Daß die erblassenden Sterne tanzend ertönen
Und die fliegenden Schleier der Nacht
Aufflammend vergehen,
Daß die zyklopischen Wolken zerstieben,
In denen der Winter, der Erde entfliehend,
Noch heulend droht mit eisigen Schauern,
Und die himmlischen Fernen sich auftun in leuchtender Reinheit.
Und steigst dann, Herrlicher du, mit fliegenden Locken
Zur Erde herab, empfängt sie mit seligem Schweigen
Den brünstigen Freier, und in tiefen Schauern erbebend
Von deiner so wilden, sturmrasenden Umarmung,
Öffnet sie dir ihren heiligen Schoß.
Und es erfaßt die Trunkene süßeste Ahnung,
Wenn Blütenglühender du das keimende Leben
Ihr weckest, des hohe Vergangenheit
Höherer Zukunft sich zudrängt,
Das dir gleich ist, wie du dir selber gleichst,
Und deinem Willen ergeben, stets Bewegter,
Daß an ihr ein ewig Rätselvolles
In hoher Schönheit sich wieder künftig erneuert.
(Das Morgenlied von Georg Trakl)

 

Rasch, auf die Wange Oktober 29, 2009

Gespeichert unter: Donnerstag — hasenherz @ 10:55

Wenn ich winken muss, werde ich winken.Abschiede sind immer schwierig. Heute ist der letzte Arbeitstag von Zoé. Genauer: der letzte Arbeitstag den Zoé und ich gemeinsam haben. Und auch ich werde nicht mehr lange arbeiten, wo ich gerade arbeite. Manchmal stimmt mich das traurig. Denn ich mach die Arbeit gern und ich liebe das Team. Es wird mich schwer fallen, hier wegzugehen. Andererseits freue ich mich auf mein Leben ab Dezember. Ich freue mich auf die Freiheit, auf die Abenteuer, auf die Zeit. Das erste Mal im Leben gebe ich mir Raum um zu tun, was mir gerade einfällt. Viel zu lange habe ich gewartet. Natürlich. Ich habe auch Angst. Was fängt man mit Freiheit an? Wohin streben die Gedanken, wenn man Zeit hat sich Gedanken zu machen? Was tut man mit seinen unruhigen Händen, wenn man nicht tausend Sachen gleichzeitig erledigen muss? Wie fülle ich den Raum, der momentan leer ist – nur ein paar Staubknäuel enthält? Vielleicht schliesse ich zuerst die Fenster, vielleicht lege ich Kissen aus, vielleicht zünde ich eine Kerze an, vielleicht male ich ein Bild und hänge es an die leere, weisse Wand. Vielleicht lade ich Freunde ein und spiele mit ihnen – auf dem Fussboden sitzend – das Flaschenspiel. Vielleicht lache ich und vielleicht weine ich auch einbisschen. Ganz sicher aber werde ich endlich mal wieder atmen. Richtig tief einatmen.

„Wenn dein Schiff fährt, wird es fahren.
Wenn ich winken muss, werde ich winken.
Wenn ich dich zum letzten Mal küssen darf, werde ich es so tun, rasch, auf die Wange.“
(Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan)

 

Somebody Oktober 26, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 10:23

Am Freitagabend waren wir in unserer zweiten Heimat und haben uns das Rusconi Trio angehört. Sehr schön! Auf Wunsch des Zweite-Heimat-Personals haben sie „Somebody“ von Depeche Mode gespielt: weich und warm. Das hatte zur Folge, dass mir das Lied das ganze Wochenende über wie verstaubte Spinnweben im Kopf hing:

I want somebody to share
Share the rest of my life
Share my innermost thoughts
Know my intimate details
Someone wholl stand by my side
And give me support
And in return
Shell get my support
She will listen to me
When I want to speak
About the world we live in
And life in general
Though my views may be wrong
They may even be perverted
Shell hear me out
And wont easily be converted
To my way of thinking
In fact shell often disagree
But at the end of it all
She will understand me

I want somebody who cares
For me passionately
With every thought and
With every breath
Someone wholl help me see things
In a different light
All the things I detest
I will almost like
I dont want to be tied
To anyones strings
Im carefully trying to steer clear of
Those things
But when Im asleep
I want somebody
Who will put their arms around me
And kiss me tenderly
Though things like this
Make me sick
In a case like this
Ill get away with it

Samstags waren wir am Fabritzke-Fest und haben uns Von Der Burg angehört. Boris von Von Der Burg hat ne wahnsinnig schöne Stimme. Das Fabritzke-Fest war seltsam und lustig und vor allem eins: spannend. Hab mit vielen Leuten geredet (ja, Regenherz, GEREDET) und einiges über alternative Wohnformen erfahren. Zum Beispiel wie das so mit dem Sex läuft, wenn 6 Personen in einem (zwar sehr grossen, aber trotzdem EINEM) Raum wohnen. Neugierig? Zu meiner Enttäuschung musste ich feststellen, dass da nichts läuft. Ein grosser Raum, 6 Menschen = Tote Hose. Da weicht man dann gern in ein Stundenhotel oder in die Berge aus. Wurde mir gesagt. Hehe.
Einbisschen traurig wurde ich, als ich mit der Idee konfrontiert wurde, man würde mir am Sonntagmorgen die Sonntagszeitung vorlesen und Kaffee ans Bett bringen wollen. Zwei Dinge, die ich liebe und trotzdem ausschlagen musste. Ich habe dann am Sonntagmorgen staubgesaugt – ein schöner Ersatz!
Guten Wochenstart wünsch ich euch!

 

Eine Nacht im Teufelhof Oktober 19, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 1:37

Was für ein Wochenende. Es hat schon so richtig gut begonnen: Fischlifox hatte am Freitag Geburtstag und die coole Clique hat es sich nicht nehmen lassen bis morgens um 6 diesen besonderen Anlass zu feiern. Häschen und ich haben ziemlich peinliche Sachen geboten. Zum Beispiel sind wir in unserer zweiten Heimat hingefallen und haben Biergläser und andere Gäste mitgerissen. Der Abend war so richtig toll. Meine Arme tun mit zwar etwas weh (an jedem Oberarm hab ich eine Bisswunde – links von Häschen, rechts von Spidy).

Am Samstag fuhr ich mit Badana nach Basel Jess Jochimsen gucken. Auch ein schöner Abend! Wir haben so lange mit Jess geplaudert, bis wir den letzten Zug verpasst haben. Jess war so nett, uns sein Hotelzimmer anzubieten – er fuhr nach Hause und brauchte es nicht. Wir durften also im Hotel Teufelhof im Anna-Rudolf-Zimmer in weichen Federbetten übernachten. Ein Traum!
Sonntag dann arbeiten und abends auf das letzte Bier der Woche in die zweite Heimat. Da habe ich Jean-Irgendwas kennengelernt. Geredet bis morgens um halb zwei. Nun. Und ich bin nicht mal müde. Mein Herz ist mal wieder in den Zaubertrank gefallen. Auch gut! Ausnutzen! Hehe…

 

Tu deine Flügel auf! Oktober 14, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 11:46
Szene aus "Berliner Reigen". Ein Film frei nach Schnitzlers Drama "Der Reigen"

Szene aus "Berliner Reigen". Ein Film frei nach Schnitzlers "Der Reigen"

So, stilles Dunkel,
tu deine Flügel auf!
Sei mein einzig Funkel
in hellem ewgen Lauf.

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Grade im Vollstress bei der Arbeit. Und zwischendurch – sozusagen zur Entspannung – kurz ein kleines Gedicht geschrieben. Mitten auf der Grenze zum hysterischen Zappeln.

Zum Glück hab ich den Schnitzler, den ich gerade lese. Seine Theaterstücke. Wirklich wunderbar vergnüglich.

 

Das ewige Schweigen macht mich schaudern Oktober 10, 2009

Gespeichert unter: Samstag — hasenherz @ 12:58

„Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern.“ (Blaise Pascal)

Gestern Abend habe ich mich zurückversetzt gefühlt in meine Teenager-Zeit. Wir suchten stundenlang eine Party (haben das Langstrassentunnel bestimmt etwa 10 mal durchquert), dabei billigen Wein aus Flaschen getrunken, setzten uns dann irgendwann auf einen Treppenabsatz und haben geraucht und gelacht und geschwatzt, bis die Kälte unangenehm vom Betonboden aufstieg. Es haben nur noch die feuchten Erdbeerlabello-Küsse gefehlt.

Sobald wie aufgegeben hatten die Party zu suchen, wurde der Abend richtig lustig. So, wie Balzac sagt: “ Vergnügen suchen, heisst das nicht, Langeweile zu finden?“
Gestern war sowieso ein sehr ereignisreicher Tag. Wirklich. Es war so ein Lichtwechseltag. Ein Tag, der wie Wasser wirkte, das im Boden versickert.
Hach, was solls. So schlittere ich halt. Schlittern kann Spass machen. „Ein Narr ist ein Mensch, der nie im Leben ein Experiment gewagt hat.“ (Erasmus Darwin)

 

Heimweh nach Romoos Oktober 5, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 2:13
Änziloch

Änziloch

Am Wochenende waren Badana und ich unsere Starautorin in Romoos besuchen. Romoos ist ein kleines Dorf im Entlebuch. Und ganz in der Nähe vom Änziloch gelegen. Wir waren dann auch das Änziloch besuchen – es war wunderschön.

Am Abend war Dorffest. Badana und ich haben uns riesig gefreut. 20 Kafi Chueschwanz und ein paar Stunden später lagen wir morgens um 6 auf dem Sofa des Gemeindeammanns und wurden bekocht. Um genau zu sein: Uns wurde Rösti gekocht. Fantastisch, nicht wahr?

Hach. Ich hab Heimweh nach Romoos. Dort waren die Wiesen so grün und die Sonne hat uns gewärmt und die Leute waren schrecklich nett und die Betten weich und der Hansi hat so schön gesungen und wir haben viel gelacht.

Ach ja, den Tombola-Hauptpreis hab ich auch noch abgeräumt. Ich, die ich normalerweise nichts gewinne. Gestern bin ich dann also mit einem wahnsinns Fress-Geschenkkorb nach Hause gekommen. Fäbu und Izzie haben nicht schlecht gestaunt…

Und jetzt sitz ich wieder in der stinkigen Stadt und blicke zum grauen Himmel auf.
Bläh!

„Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an.“
(Marie von Ebner-Eschenbach)

 

Hut ab! September 29, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 12:03
Schauspielhaus Zürich, 31. Januar 2009, 21.41 Uhr (Foto: Frank)

Schauspielhaus Zürich, 31. Januar 2009, 21.41 Uhr (Foto: Frank)

Es gibt Momente, an die erinnert man sich gern. Damals, als der Moment Gegenwart war, fand man den Moment gar nicht lustig. Oder zumindest anstrengend. Nicht wegen den Äusserlichkeiten. Nein, ganz und gar nicht. Sondern wegen der Innerlichkeit. So ein Moment war der 31. Januar 2009, 21.41 Uhr. Ich sass zusammen mit Frank im Schauspielhaus Zürich und schaute mir „Immanuel Kant“ an. Frank hatte ich gerade an diesem Abend kennen gelernt und er war ein Glückstreffer. Ein sehr netter Zeitgenosse, spannend, intelligent und er sieht gut aus. Nun ist es aber so, dass ich damals im tiefsten Sumpf von übelstem Liebeskummer sass – es war zum heulen. Und wer die Erfahrung von tiefstem, übelstem Liebeskummer mit mir teilt, wird mir Recht geben, wenn ich sage, dass in einem solchen Moment Blinddates (oder Ähnliches) nicht unbedingt gerade total viel Spass machen. Aber sie sind notwendig. Denn zum Überleben gibt es nichts Besseres als Wagemut. Und genau aus diesem Grund erinnere ich mich heute gern an den Moment im Schauspielhaus. Nicht, weil es mir damals besonders gut ging, nein. Sondern weil es mir heute gut geht und ich bei mir denken kann: „Hut ab! Du hast es überlebt. Und noch nicht mal schlecht überlebt. Respekt.“ Ich tue also gut daran, mich immer mal wieder an den Moment im Schauspielhaus zu erinnern. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Zeit wirklich heilt. Heute also dies: „Süss ist es, allem Ungemach entflohen zu sein.“

 

Als ob das komisch wär September 23, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 3:47

Gerade hat mir einer meiner Lieblingsarbeitskollegen – nennen wir ihn Miraculix  – per Chat folgenden Satz mitgeteilt: „An meine Bürotür habe ich mit Blut geschrieben: Das Äussere des Irrenhauses.“
Bedenklich, ich weiss. Aber auch verständlich. Auch ich würde gerne sowas an meine Bürotüre schreiben. Leider habe ich keine Bürotüre. Ich habe nur Glas. Nichts als Glas um mich herum. Wenn das nicht schon Grund genug ist, verrückt zu werden…

Um Miraculix aufzuheitern, hier mal ein fröhliches Gedicht:

Der Komiker
Ein Komiker von erstem Rang
Ging eine Straße links entlang.
Die Leute sagten rings umher
Hindeutend: Das ist der und der!
Der Komiker fuhr aus der Haut
Nach Haus und würgte seine Braut.
Nicht etwa wie von ungefähr,
Nein ernst, als ob das komisch wär.

(Joachim Ringelnatz)

 

Ein guter Grund, nachts wach zu bleiben September 18, 2009

Gespeichert unter: Freitag — hasenherz @ 1:17
Haruki Murakami: Schlaf

Haruki Murakami: Schlaf

W.O.C.H.E.N.E.N.D.E.  E.N.D.L.I.C.H.!

Zum Glück ist Wochenende. Ich muss nämlich noch meinen Text für die Schule fertig schreiben. Und bin irgendwie nie richtig dazu gekommen. Kein Wunder, wenn man sich in fremden Städten und fremden Betten rumtreibt. Aber irgendwoher muss man sich ja schliesslich Inspiration holen, um poetische und sirupartige Texte schreiben zu können. Und das ist nicht ganz einfach zwischen Jobsuche und Platzregen.
Heute morgen im Zug von Bern nach Winterthur: „Du riechst gut an mir.“

Endlich ist das neue Buch von Haruki Murakami erschienen: Schlaf. Es enthält wunderschöne Illustrationen. Ich freu mich auf die Lektüre.

In den Ferien hab ich 6 Bücher gelesen:

Arthur Schnitzler: Spiel im Morgengrauen –> -Sehr dicht, sehr gut!
Camilla Gibb: Worüber niemand spricht –> WOW!
Ivan Klima: Ein Liebessommer –> Etwas drückend, aber auch faszinierend.
A. L. Kennedy: Also bin ich froh –> Irgendwie seltsam. Irgendwie gut.
Monika Maron: Animal triste –> Ein definitiv sehr gutes Buch.
Ivana Jeissing: Felsenbrüter –> Gute Unterhaltung. Versöhnlich.

W.O.C.H.E.N.E.N.D.E.  E.N.D.L.I.C.H.!