Heute morgen in der S-Bahn: Ein älterer Herr wankt in mein Abteil, sieht ziemlich ausgemergelt aus, nicht krank, nur sehr dünn, hat ein altes, weisses T-Shirt an und kurze Hosen. Bei sich trägt er eine grosse Jutetasche, gefüllt mit Zeitungen. Murmelnd breitet er sich auf der Bank gegenüber aus. Steht dann auf, nimmt seine Jutetasche und geht nach vorne zur Zeitungsabfallbox. Er räumt fein säuberlich alle Zeitungen aus der Jutetasche in die Box. Nachdem er fertig ist, hat keine einzige Zeitung – nicht mal die klitzekleinste Pendlerzeitung – mehr platz. Ich denke mir: Tolle Art sein Altpapier zu entsorgen! Muss ich mir merken!
Der Herr kommt zurück, packt eine Flasche Bier (eine grosse) aus und trinkt, als gäbe es kein Morgen. Innerhalb von fünf Minuten ist die Flasche leer und wir kommen an der nächsten Station an. Promt steigt der Herr aus.
Ist es nicht schön zu pendeln! Man begegnet doch immer wieder netten Artgenossen!
Habe jetzt immer Ohrstöpsel dabei, damit ich all die telefonierenden Tschicks ausblenden kann. Gestern: „Nein, im Fall ohne Scheiss! Er kann nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden! In der Nacht kann er nicht schlafen!“ Tja. Mit Ohrstöpsel wärs anders gewesen. Nämlich so: „—————“ Himmlisch ruhig.
Herzlich,
Hasenherz