Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Nicht davor September 24, 2007

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 2:48

Ich sitze am Ufer des Flusses. Es ist kalt. Nebel kriecht über das Wasser. Über mir ragen die Felsen, die Felsen, die Felsen. Ein Boot zieht leise vorbei. Sie bringen die Toten nach Hause. Die weiss gewandeten Toten. Es riecht nach Metall, nach Algen. Das Gras, worin ich sitze, ist nass. Die Erde feucht. Wir leben aus verschiedenen Gründen. In verschiedenen Leben. Der Fluss ist grün und grau und sanft. Ich fürchte mich nicht. Nicht davor. Zerfetzte Nebelschwaden ziehen flussabwärts. Folgt den Toten, folgt den Toten! Über mir der atmende Himmel, unter mir mein offen Herz.
(Das kommt davon, wenn man den Soundtrack von Solaris zu hören bekommt…)
Hasenherz

 

Lasst uns endlich mal über Proust reden! September 21, 2007

Gespeichert unter: Freitag — hasenherz @ 8:23

Heute feiert Nic ihren Geburtstag. Und ich werde mitfeiern! Gestern hatten wir Projektsitzung und da kristallisierte sich heraus, dass ich ab jetzt bis mitte Oktober auch am Wochenende werde arbeiten müssen. Und dann ist da auch noch Buchmesse. Und irgendwann so gegen Ende Oktober werde ich vor Erschöpfung aus dem Fenster kippen, meine Arme ausbreiten und irgendwohin segeln, wo’s warm ist und weich und wo die Sonne scheint über den Baumwipfeln.

„Denn immer Einer sei bereit und rage als rettend Mal im Raum, wenn vor der Frage die grelle Zeit erblasst: Was soll ich tun?“ (Hans Erich Nossack)

Als ich heute an einem grossen Zürcher Bahnhof sass und schaurigen Takeaway-Kaffee trank, kam mir in den Sinn, dass ich gestern sehr müde war und als ich dann 9 Stunden geschlafen hatte, war ich noch immer müde und „leben“ ist schon seltsam, da kommt man über Wochen mit 3 Stunden Schlaf aus und mit einem Mal ist man todmüde.
Noch ein Tipp für die mit der Leseblockade: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat. Lasst uns alle dieses Buch lesen und dann plaudern wir eine Stunde über Proust. Abgemacht?

Herzlich,
Hasenherz

 

Auf und davon September 15, 2007

Gespeichert unter: Samstag — hasenherz @ 3:58

Heute habe ich frei. Mein Hirn hat frei, mein Körper hat frei, nur meine Hände nicht. Die müssen schreiben. Gestern Abend war ich todmüde. Fantasmus war hier im Hundfresserland und das war schön aber auch sehr, sehr anstrengend. Gut anstrengend notabene. Darum ging ich gestern früh schlafen und hab endlich mal wieder mehr als 6 Stunden am Stück von blühenden Wiesen, alten, bedrohlich blickenden Häusern, morschen Dielen und gebackenen Hundewelpen geträumt. Wie schön!

Morgen früh fahre ich nach München. Dort werde ich zusammen mit Frl. Dr. die Corine Buchpreisverleihung besuchen. Am Montag morgen dann, reise ich direkt weiter nach Köln an ein Führungsseminar. Am Mittwoch Abend bin ich zurück in Zürich. Ihr seht, ich reise mal wieder quer durch Deutschland.
Wie sagt Oscar Wilde? „Reisen veredelt den Geist und räumt mit allen unseren Vorurteilen auf.“

In diesem Sinne: Auf gehts!
Hasenherz

 

In den Farbtopf gefallen September 12, 2007

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 1:21

Heute scheine ich in einen Farbtopf gefallen zu sein. In der S-Bahn viel mir auf, dass ich einer bunten Kindergartenzeichnung ähnle. Hab einen knutsch-grünen Pulli an, drunter ein lila-blaues Shirt, königsblaue Turnschuhe, eine türkis Tasche und türkis Ohrringe. Fehlt nur noch, dass ich mir die Lippen rot anmalte. (Mach ich vielleicht noch.) Ich musste lachen und irgendwie (auch wenns wirklich etwas doof aussieht) gefällts mir. Dazu kam, dass – ich grinste gerade ganz blöd in mich hinein – mich ein maximal 20jähriger ansprach und unbedingt meine Telefonnummer haben wollte. Ich hab ihn ausgelacht. Ich weiss, fies. Nur: Hallooo?! Hat der ne Meise?

Heute ist mal wieder die Hölle los bei der Arbeit. Ich hab seit Tagen Kopfschmerzen und arbeite sehr intensiv an diesem Projekt. Und obwohl ich Kopfschmerzen habe und viel arbeite, macht mir diese Projekt Spass. Ich lerne unheimlich viel – gestern brachte mir Flatscreen-Lars was über Datenbanken bei – und ich finde diese Spannung (klappts, klappts nicht) sehr aufregend. Gut, jetzt muss ich weitertesten (ob die Bestellbestätigungen jetzt richtig kommen).

Auf bald!
Hasenherz

 

Wenn ich winken muss, werde ich winken September 10, 2007

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 12:18

Ingeborg Bachmann sagt in „Der gute Gott von Manhatten“:

Wenn dein Schiff fährt, wird es fahren.
Wenn ich winken muss, werde ich winken.
Wenn ich dich zum letzten Mal küssen darf, werde ich es so tun, rasch, auf die Wange.

Habe einen ausgesprochen schönen Samstag verlebt mit Bollerwagen und vom Stuhl kippen vor Lachen und mein Körper war sehr müde und sehr ausgelaugt und irgendwann hat der gezittert und gezittert und gezittert und zum Glück war die Eisprinzessin da, die hat mich gehalten und dann wurde alles gut.

Auf dem Flughafen und während des Fliegens hatte ich Zeit zu lesen und ich lese ein unterhaltsames Ding, irgendwie wunderlich und trotzdem sehr angenehm spannend. Schaut sie euch an, die Glasbücher der Traumfresser.

So, jetzt muss ich aber weiterarbeiten, sonst wirds heute Abend wieder sehr, sehr spät.

Grüsse euch herzlich,
euer verschüttetes Hasenherz

 

so sätze, die menschen sagen September 6, 2007

Gespeichert unter: Donnerstag — hasenherz @ 10:29

Gestern Abend trug ich mein Herz aufgeknöpft am Revers. Das innere meiner Brust fühlte sich kalt an und grausam. Ich sass in der Strassenbahn und mir war, mir war, als ob die Welt ein grosser, kalter, gelber Pudding wär, ewig wackelnd. Und dann, heute morgen in der S-Bahn, ich hörte gerade Wheels von Cake (And the muscular cyborg German dudes dance with sexy French Canadians. While the overweight Americ ans wear their patriotic jumpsuits. Wheels keep on spinning round spinning round spinning round), die Sonne schien durchs Fenster herein, sah ich den Menschen zu, wie sie bei der Station ein- und ausstiegen und mir war, als ob ich in meinem Wohnzimmer sässe, alles war nah und vertraut und ich hatte keine Angst. Der Tag hat sich dann aber entwickelt und entwickelt und als er sich so entwickelt hat, kam Nebel auf und Sturm und mir wurde bang. Es gibt so Sätze, die Menschen sagen, sie sagen diese Sätze, als wäre nichts dabei. Als ob es keine Rolle spielen würde, sie machen sich – während sie diese Sätze sagen – glauben, das alles, alles, alles ganz einfach und unkompliziert. Und während sie diese Sätze sagen, weiss ich, dass sie verloren sind. Unabdingbar verloren in der Welt und in sich selbst. Und keiner kann sie retten, keiner, keiner. Manchmal, wenn ich böse bin, dann grinse ich in mich hinein und fühle mich wissend. Manchmal, wenn ich gut bin, versuche ich sie vom Gegenteil zu überzeugen – ohne Erfolg. Nichts geht mehr.

Gut Nacht,
Hasenherz

 

Hasenherz Pharma macht euch alle gesund! September 4, 2007

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 11:26

Heute kämpfe ich mit verschwundenen Seitennavigationen, meinen Kopfschmerzen und akuter Arbeitsüberlastung. Zum Glück gibts Fantasmus, der mir die perfekte Medizin empfehlen konnte. Partythotal forte von Hasenherz Pharma. Anwendungsgebiete: Akute Arbeitsüberlastung bei Sabine, Erholungsinsuffizienz, Bockfrust. Wirkstoff: Gute Freunde (100%). Mindestens haltbar bis zum nächsten Morgen. Ich grinse gerade sehr in mich hinein. Und das tut gut.

Da ich gestern Abend noch etwas – so ganz zum Spass – gearbeitet habe, werde ich mir heute früh (!) Feierabend gönnen und das Buch fertig lesen, das ich gerade lesen. Es heisst „Brief an D.“ und der Autor ist André Gorz. Er schreibt da über seine grosse Liebe und fragt sich, warum diese in seinen früheren Werken so gar nicht vorgekommen ist. Aus Scham vielleicht? Gorz sagt: „Meine Liebe zu Dir liebt mich nicht.“ Interessanter Ansatz.

Viele Grüsse,
Hasenherz

 

Lila, Lila blüht das Vergissmeinnicht September 3, 2007

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 3:14

Montag. Es regnet. Mein Kopf schmerzt und das Wochenende ist leider, leider vorbei. Die Hochzeit von Chérie war echt super-schön. Ich war anfangs sehr nervös weil die Alexen und ich viel zu organisieren hatten. Es hat aber alles geklappt. Es war dann eine wundervolle Feier mit wahnsinnig netten Leuten und guter Stimmung. Mir hats sehr gefallen! Und jetzt sitz ich hier und hab fast etwas Heimweh. Die Hochzeit hat nämlich auf der Lenzerheide stattgefunden und dort war ich ja mal sowas wie heimisch. *pühü!* Ich vermiss sie, die Berge.
Giancarlo – unser Bartender – hat dann auch gemeint: „Dich sehe ich bestimmt bald wieder!“ Und ich sage: Ich möchte es hoffen!

Vanalia ist noch immer in den Ferien und das ist echt nervig. Auch sie vermisse ich unheimlich fest. Gibt es denn heute kein anderes Gefühl in mir drin? Nein, leider nein.

Grüsse,
Hasenherz