Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Blut ist im Schuh Januar 31, 2008

Gespeichert unter: Donnerstag — hasenherz @ 1:17

Rucke di guh, rucke di guh, Blut ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.
Seltsamerweise hab ich den Aschenputtel-Satz im Kopf und er will und will nicht verschwinden. Er dreht und dreht und hört sich irgendwie verheissungsvoll und kalt an. Im Geschäft läuft es wieder mal drunter und drüber und mir ist nach verreisen. Nach abhauen. Nach verschwinden. Nach in Luft auflösen. Und so recht komm ich nicht klar. Mit all den Sachen.

Heute Abend gehen Vanalia und ich Jess Jochimsen und Sascha Bendiks im Miller’s Studio anschauen. Darauf freu ich mich und Vanalia sagt: „Ich schicke dir einen virtuellen Strauss magischer Koboldveilchen und mein rabenschwarzes Herz.“ Wie schön! Wie schön!

Herzlich,
Hasenherz

 

Wer braucht sie nicht, die Illusion? Januar 27, 2008

Gespeichert unter: Sonntag — hasenherz @ 12:22

Gestern waren Izzie und ich bei unserem personifizierten Gewissen namens Herr Dr. Furrer. Herr Dr. Furrer schaut bedrohlich mit erhobenen Zeigefinger auf einen herab und spricht mit donnernder Stimme: „Sie wissen, was ich davon halte?!“ Man nickt und möchte am liebsten im Erdboden versinken. Nachdem wir Herr Dr. Furrer hinter uns hatten, hatten wir uns viel Kaffee, eine Packung Zigaretten und Frustshopping verdient.
Habe einen echt lustigen und wirklich sehr angenehmen Service entdeckt. Nämlich „Frank geht ran„. Man kann Franks Nummer angeben und er wimmelt die unerwünschten Anrufer ab. Schade, dass es das für die Schweiz nicht gibt…

Heute Abend treffen wir Xanten! Welch Freude. Biene, Vanalia und ich werden nach Veilchen duftend, schwungvollen Schrittes in den Abend schreiten und Xanten unsere Ehre erweisen. Denn nach einer Begegnung mit Xanten geht es mir immer besser als vorher. Das entspricht seinem Lebensprinzip. Ach ja, Herrn Fischer hab ich getroffen – fast ganz zufällig. Das war sehr schön. Denn wer braucht sie nicht, die Illusion? Ohne Illusionen wäre unser Leben so viel lebensunwerter.

Herzlich,
Hasenherz

PS: „Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiss, ob sie wiederkommen.“ (Oscar Wilde – von wem sonst?)

 

Morgens um 11 in Deutschland Januar 25, 2008

Gespeichert unter: Freitag — hasenherz @ 10:26

Morgens um 11 in Deutschland. Sitze in Münster in einem Büro und hier scheint endlich mal wieder die Sonne. Gestern war ja so typisch grausliges Münster-Wetter. Regen und Nebel und verhangener Himmel. Zoé und ich sind dann auch nicht mehr ausgegangen. Wir haben uns in unsere kuschligen Hotelbetten zurückgezogen und ich habe mich in zwei Decken eingewickelt und hab rumgedöst. Das war schön.

Der Mittwoch Abend mit Hase und dem Schönen war sehr angenehm und ich vermiss die Beiden etwas. Denn Büro in Münster ohne die Zwei ist echt etwas trostlos. Heute treten wir dann die Rückreise an und die wird lange dauern.
Die Damen diskutieren hier gerade die Kleiderfrage des „cravatte noir“-Events der Firma, der im Frühling stattfinden wird. Abendkleid? Welche Farbe? Welche Länge? Wie, wo, warum? Viele, viele Fragen. Und kaum Antworten. DAS kann ja heiter werden!

So. Jetzt müssen wir aber los!
Herzlich,
Hasenherz

 

Abzweigung Januar 22, 2008

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 2:48

Wenn man sich ergibt, hat man dann automatisch auch verloren? Manchmal ist der Kopf wie eine lange gerade Strasse. Man schreitet voran, zügig, den Blick frohen Mutes vorwärts gerichtet und plötzlich taucht hinter einem Hügel eine Abzweigung auf. Schon von Weitem fragt man sich, welchen Weg man gehen sollte. Links? Rechts? Geradeaus? Halblinks? Viertelrechts? Man schaut verwundert die Karte an und entdeckt die Abzweigung darauf einfach nicht. Man ist verwirrt. Irgendwann dann steht man an der Kreuzung und fragt sich: Himmelarschundzwirn, wohin, wohin? Es tun sich Möglichkeiten auf. Kommt man, wenn man viertelrechts geht, in eine grosse, schillernde Stadt mit bösen Gangstern und schönen Frauen? Kommt man, wenn man halblinks geht, an einen blauen, friedlichen Weiher wo die Vögel singen? Kommt man, wenn man geradeaus geht, nach Hause? Kommt man, wenn man rechts geht, zur Höhle des verwunschenen Drachens? Kommt man, wenn man links geht, ins Paradies? (Oder viellecht doch eher zu Hölle, Verdammnis, Glut und Tod?) Da steht man nun. Und muss sich entscheiden. In einem Pseudo-Psycho-Artikel hab ich mal gelesen, dass die besten Entscheidungen immer die intuitiven sind. Je länger man überlegt, desto schlechter wird die Entscheidung. So gehe ich also ganz intuitiv nach rechts.

Ab morgen bin ich mal wieder drei Tage in Deutschland. Freue mich Hase und den Schönen zu sehen. Und ich freue mich zusammen mit Zoé diese Reise zu unternehmen. Aber am allermeisten freue ich mich am Sonntag Xanten zu sehen. Auch wenns nur von Weitem und auf der Bühne ist. Und dann – in weiter Ferne – liegt eine Begegnung mit Herrn Fischer. Und darauf freue ich mich mit kindlicher Vorfreude.

Herzlich,
Hasenherz

 

Was soll man tun, verdammt? Januar 20, 2008

Gespeichert unter: Sonntag — hasenherz @ 1:01

Mann. Ich werde alt. Egal wann ich ins Bett gehe, ich falle um halb zwölf aus dem Bett. Gestern ist es wieder fünf Uhr in der Früh geworden und nach lächerlichen sechseinhalb Stunden bin ich putzmunter. Das müsste mir mal unter der Woche passieren. *grummel* Heute morgen also, als ich putzmunter in meinem Bett lag, hab ich ein Buch zur Hand genommen, das unmotiviert auf meinen tausend Bücherbergen rumlag. Der Klappentext („Bordell der Toten“ von Carlos Eugenio Lopez): „Man kann das Leben nicht mit angezogener Handbremse leben. Das geht einfach nicht. Man muss eine Menge Mumm haben und es einfach anpacken. Was soll man sonst tun? Sagen, dass es einem leidtut? Was soll man tun, verdammt? Etwa sagen, dass es einem leidtut, und losheulen?“ Passend. Es wird also nicht losgeheult, es wird Mumm gehabt. Jawohl.

Heute ist ein sehr schöner Tag, fast ein Frühlingstag und Izzie geht Schiff fahren. Ich gehe nicht Schiff fahren. Ich setz mich mit einem Buch in den Park und geniesse die Sonne. Das solltet ihr auch tun!

Herzlich,
Hasenherz

PS: “ Begehren und zurückweisen, dachte ich in diesem Moment, ist wohl das, was wir am seltensten tun und am häufigsten erfahren.“ („Die Rose von Istanbul“ von Joaquin Arnaiz)

 

Der Zauberlehrling Januar 19, 2008

Gespeichert unter: Freitag — hasenherz @ 4:10

Guten Morgen! (Es ist 04:45 Uhr morgens und ich bin gerade nach Hause gekommen.) Laut Gala-Jahreshoroskop war heute mein Glückstag. Der Rest des Jahres wird… nun ja… sagen wir mal der Rest des Jahres wird erinnerungswürdig, fantastisch, romantisch, abenteuerlich, anstrengend, aufregend, bewegt. Das ganze Glück aber hab ich heute schon verbraucht.

Biene, Angi-Peter, Vanalia und ich waren einen Film schauen. Nämlich „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“. Der Film wurde als «masochistische Angstvision des Mannes vom Geschlechterkampf» oder als «feministische Fantasie der Stärke» bezeichnet. Leider war ich sehr müde und hab die Hälfte des Films verschlafen. Darum kann ich euch leider nicht berichten, wie sich „feministische Fantasie der Stärke“ anfühlt. Tut mir leid!

Danach verbrachten wir ein paar sehr nette Stunden in unserer dritten Heimat. Dort trafen wir auf Sepp, den Wollwanderer und auf den Zauberlehrling. Der Zauberlehrling ist ein Freund vom Wollwanderer und die beiden suchen gerade eine Wohnung. Das Gespräch mit dem Zauberlehrling war wirklich sehr erfrischend. Es ist nicht selbstverständlich einen so charmanten und eloquenten Gesprächspartner in einer rauchigen Bar anzutreffen. Er hat mir die erste Strophe der Loreley rezitiert und ich hab ihm mein Lieblingsgedicht von Brecht aufgesagt. Darauf ist er über Handke zur Suche von Märchen im Alltag gekommen. Kurz, es war ein sehr angenehmes Gespräch und ich würde sagen, der Zauberlehrling ist eine aussergewöhnliche Person, einer Romanfigur gleich, die mit Bestimmtheit Klavier spielt.

Jetzt aber ab ins Bett!
Schlaft schön,
Hasenherz

PS: Hier mein Brecht-Lieblingsgedicht in voller Länge.
Der Radwechsel
Ich sitze am Strassenhang.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
mit Ungeduld?

 

alternde Freunde, bellende Hunde Januar 17, 2008

Gespeichert unter: Donnerstag — hasenherz @ 9:48

Heute kommt „Der Freund“ in die Kinos. „Der Freund“ ist ein Schweizer Film, der teilweise in unserer zweiten Heimat spielt und der darum unbedingt geguckt werden muss. Heute ist ein Interview mit dem Hauptdarsteller (Philippe Graber) in der Zeitung. Er sagt: „Selbstverwirklichung ist schon eher mein Ziel. Zu mir selbst kommen und mit meinen besten Freunden alt zu werden.“ Und ich sage: Klasse Idee! Auch ich will mit meinen besten Freunden alt werden! Damit beginne ich doch gleich heute und ruf jetzt als erstes Vanalia an. So.

Ansonsten ist es ruhig bei mir. (Bin ja auch seit drei Tagen alleine.) Tucholsky sagt: „Mensch: ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.“
Auf bald,
Hasenherz

 

krank-sein und allein-sein Januar 16, 2008

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 11:52

Liege krank zu Hause im Bett. Und irgendwie tut das gut. Also, nicht das Krank-sein. Sondern das Allein-sein. Das ist genau das Richtige. Lustig. Manchmal tut der Körper einfach das, was der Kopf nicht tun kann. Da sollte man dankbar sein. Danke, Körper!

Gestern war k_k hier und hat einen Krankenbesuch abgestattet. Das war schön. Er hat sehr viele, sehr wahre Dinge gesagt, die mir geholfen haben. Solche Freunde zu haben, ist das Schönste was man sich vorstellen kann. Und langsam tauche ich aus meiner inneren Welt wieder auf. Das ist gut.

Jetzt geh ich wieder schlafen. Mein Kopf zerspringt und macht anstalten auszuwandern. Kluger Kopf!
Herzlich,
Hasenherz

 

Vom schwarzen Wald verschlungen Januar 14, 2008

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 1:55

Schwarze Bäume, dunkelblauer Himmel, Dämmerung, Schnee, dichter Wald, Dunkelheit, Kälte, Stille, es knirscht bei jedem Schritt.
Ungefähr dies ist die Bilderwelt, in der ich mich zurzeit befinde. Seltsame Stimmung. Das Licht ist sehr, sehr seltsam. Es hat sowas träumerisches. Langsam aber sicher sollte ich mich mal wieder an die Oberfläche kämpfen, sonst werde ich irgendwann vom schwarzen Wald verschlungen.

Ich lese „Der Lügner“ von Stephen Fry. Ach, ich liebe Stephen Fry und Herr Fischer schreibt: „Du bist goldig.“

Herzlich,
Hasenherz

 

O Vergeblichkeit! O Vergänglichkeit! Januar 12, 2008

Gespeichert unter: Samstag — hasenherz @ 3:15

Gestern abend waren Vanalia, Biene, k_k, Fantasmus und ich im Sogar TheaterMoskva Petuski“ schauen. Und das war wirklich sehr gut. Kleines Theater, sehr eng, sehr warm da drin. Aber das Stück… Hut ab. Der Schauspieler Thomas Sarbacher ist echt heiss und dazu wirklich gut und wir haben gemerkt, dass wir das Wort „blümerant“ bis anhin immer falsch gebraucht haben. Hier die Bedeutung: „Mir wird blümerant, oder: mir ist blümerant. Der Ausdruck stammt aus dem 17. Jahrhundert von bleu mourant: matt-blau oder blass-blau. Blümerant steht für eine elende Gemütsverfassung, flau, übel, unwohl.“ Mir war das so nicht klar. Ich dachte immer, es bedeute genau das Gegenteil. Nämlich blumig. Ja, man lernt nie aus!

Fantasmus ist ja zu Besuch hier, diese Tage und er muss viel ertragen. Meine blümerante Gemütsverfassung, viel Rauch in stickigen Bars und kurze Nächte. Er erträgt das alles aber stoisch und dafür bin ich ihm wirklich sehr dankbar.

Heute abend sind wir dann auch schon wieder unterwegs in unserer zweiten Heimat und ich bin sehr, sehr gespannt. Zumal Luis auch dabeisein wird und Herr Fischer (zumindest im Geiste).

Und um „Moskva Petuski“ zu zitieren: „O Vergeblichkeit! O Vergänglichkeit!“

Herzlich,
Hasenherz