Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Entsetzliche Konfusion April 22, 2008

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 4:04

Bin ziemlich erschöpft. Uiuiui. Mein Körper rastet aus und ich ignoriere ihn. Das ist doch ne tolle Partnerschaft! Das ist wie wenn die Ehefrau Rotz und Wasser heult und der Ehemann sitzt auf dem Sofa und guckt Fussball. Mein Körper hat schon recht, wenn er todbeleidigt ist.

Habe heute im Zug „24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau“ von Constance de Salm zu Ende gelesen. Dann hab ich aus lauter Langeweile das Nachwort gelesen und das hat mich dann doch etwas erstaunt. Der Herr Karl-Heinz Ott, der das Nachwort schreibt, beschreibt die Gefühlszustände der Erzählerin als „Zustände schlimmsten Aussersichseins und entsetzlicher Konfusion“. Darüber war ich etwas erstaunt, denn beim Lesen des Briefromans konnte ich die Gefühle der Erzählerin durchaus nachvollziehen. Ihr heimlicher Geliebter, den sie aus gesellschaftlichen Gründen noch nicht öffentlich machen kann, steigt mit einer anderen Tussi mit grossem Busen und wallenden Gewändern in ne Kutsche und braust davon. Sie hört von ihm nix obwohl er sich normalerweise täglich meldet. Na, wie würdet ihr reagieren? Eben. Vor allem da sie keine Möglichkeit hat, ihn zu erreichen und wegen der Heimlichtuerei auch nicht darf. Ich persönlich würde die Zustände ja als piepschnurz-normal beschreiben. Und nicht als „schlimmsten Aussersichseins“. Klar, dass die Dame gröber angepisst ist… Tja, egal. Das Buch ist jedenfalls lesenswert.

Herzlich,
Hasenherz

PS: Die aktuelle Rangliste:

Platz 1: Machete (Weil er einfach toll ist. Sogehtdas.)
Platz 2: Herr Fischer (Weil er sich in Geduld übt und übt und übt. Dabei auch mal auf die Schnauze fällt, sich aber nicht unterkriegen lässt.)
Platz 3: Depri-Fuchur (Weil er für Überraschungen gut ist. Und auf Freaks steht. Gut so!)
Platz 4: Nein!Rolf! (Oha. Ziemlich runtergerutscht in der Rangliste. Man sollte auch nicht in den „Ostblock“ reisen mit einer Dame von Welt!)
Platz 5: Wollwanderer (Wollwanderer hat seine Anschlüsse zusammengeschlossen. Oder wie war das?)
Platz 6: Zampano (Zampano hat keine Haare mehr im Gesicht und hat auch sonst so einiges verloren…)

 

Photischer Niesreflex April 21, 2008

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 12:15

Wochenende schon wieder vorbei. Es regnet und ich hab sowas wie Heuschnupfen. Meine Nase läuft und ich niese dauernd. Echt unangenehm. Am Freitag abend war ich an der buch.de Jubiläumsfeier und das war überraschenderweise sehr, sehr schön. Zuerst hat es mich etwas angegurkt. Wegen der Anreise und der Kleidervorschrift (wir mussten uns in Smoking und Kleidchen quetschen) und überhaupt. Aber dann haben die Leute in ihrem Smoking und ihren Kleidchen hervorragend ausgesehen und ich hab mit vielen Menschen gequatscht und das war sehr amüsant.

Reisen hat auch Vorteile. Man kann dabei lesen. Habe „Brief einer Unbekannten“ von Stefan Zweig gelesen. Ein sehr schönes Buch. Ein Buch wie ein Traum. Ich habe schon unwahrscheinlich grosses Glück. Es gibt noch immer Bücher von meinen liebsten Schriftstellern, die ich noch nicht gelesen habe. Wenn ich schon alles gelesen hätte, dann könnte ich mich auf nichts mehr freuen. Das wär schon unsagbar traurig. „Radetzkymarsch“ von Jospeh Roth ist so ein Buch. Das ich absichtlich noch nicht gelesen habe. Das ich mir für eine ganz besondere Gelegenheit aufbewahre.

Weil ich gerade so viel niesen muss, hab ich mich mal kundig gemacht. Ich muss ja auch niesen, wenn ich in die Sonne schaue oder in sehr helles Licht. Das nennt sich dann „Photischer Niesreflex„. Etwa 17 – 35 % der Menschheit hat diese Neigung. Ja, ja, so wird man von Tag zu Tag klüger.

Herzlich,
Hasenherz

 

Endlich: Rangliste! April 16, 2008

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 9:43

Vanalia und ich haben heute – zwecks besserer Übersicht – beschlossen eine Rangliste des Zugemüses zu erstellen. Also, Ladies, hier ist sie:

  • Platz 1: Nein!Rolf! (Nein!Rolf! belegt den ersten Platz weil er keine Altlasten hat, seeeeehr nett ist und nach gutem Zureden auch in anderen Bereichen jetzt fast schon perfekt ist.)
  • Platz 2: Machete (Machete belegt den zweiten Platz weil die Lady sagt: „Mir händs voll guet!“ – Glückwunsch!)
  • Platz 3: Herr Fischer (Herr Fischer belegt den dritten Platz weil er sich – mal abgesehen von seinen Altlasten – ganz gut macht. „Nur“ Platz drei weil seine Altlasten gestern gerade ausgetickt sind.)
  • Platz 4: Depri (Depri belegt den vierten Platz weil er eine wunderbare Stärke hat: Kommunikation. Seine negativen Seiten vergisst man da gerne.)
  • Platz 5: Zampano (Zampano belegt den fünften Platz weil er sein Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft hat. Er holt aber kräftig auf!)
  • Platz 6: Wollwanderer (Wollwanderer belegt den sechsten Platz weil seine Beliebtheitskurve monoton mit der Dauer seiner Strategieverfolgung (falsche Strategie!) sinkt.)

Diese Rangliste spiegelt den momentanen Zustand und ist stetig in Bewegung. Das Zugemüse auf den hinteren Plätzen hat also durchaus Chancen aufzuholen. Das Zugemüse auf den vorderen Plätzen sollte sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen!

Wir sind gespannt auf den Spielverlauf.
Hasenherz

 

Entronnensein April 15, 2008

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 2:59

„Heimat ist das Entronnensein.“ (Adorno)
Jule hat mich diesen Satz wissen lassen und er passt so unglaublich gut zu meinem Tag, dass ich ihn euch nicht vorenthalten will.
Ich lese gerade „Der Teufel von Mailand“ von Martin Suter und ähnlich wie die Hauptfigur hat sich meine Wahrnehmung in den letzten Tagen zu verändern begonnen. Zuerst unmerklich. Dann waren da feine Anzeichen. Ich rieche Dinge anders, sehe sie anders, fühle seltsames Zeug und irgenwie ist mir das ziemlich unheimlich. Vielleicht sollte ich nicht Suter lesen. Vielleicht ist es aber auch genau richtig, dass ich Suter lese. Lese den nämlich gern. Nun. Egal.
Meine Wahrnehmungsveränderung geht soweit, dass ich mir über nichts mehr sicher bin. Es ist ein schmaler Grat, auf dem ich mich bewege. Und heute hat mir eben dieser Tag eine Wunde zugefügt, die mir (verstärkt durch die seltsame Wahrnehmung) den Blick auf mich selbst versperrt und sich anfühlt, als würde sie auf einem Stuhl vor mir sitzen und ich sehe nicht an ihr vorbei oder über sie hinweg (ähnlich, wie wenn ein Riese vor einem im Kinos sitzt).

Vielleicht hilft Schlaf. Oder Alkohol. Oder beides. Oder nichts.
Hasenherz

 

Tango und Feuchtgebiete April 10, 2008

Gespeichert unter: Donnerstag — hasenherz @ 4:21

Wie die Zeit vergeht! Wahnsinn. Im Büro haben alle mal eben die Büros getauscht und ehrlich gesagt (und man sollte ja ehrlich sein) war das alles ziemlich mühsam und mir geht das Thema echt auf den Keks. Sowieso ist das Arbeiten momentan ziemlich harzig (obwohl ich meinen Job eigentlich liebe).

In der Zwischenzeit habe ich „Weil nichts bleibt, wie es ist“ von Laurence Tardieu gelesen. Das hat mir sehr, sehr gut gefallen. Eine samtweiche, schöne und auch traurige Liebesgeschichte. Wunderschön erzählt, warm und weich zu lesen.
Gleich anschliessend las ich „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche. Oh.Mein.Gott. Bei einer besonders blutigen Stelle – ziemlich gegen Schluss des Buches – wurde mir echt übel. Ich sass nichtsahnend im Zug, noch nix im Magen, noch keinen Kaffee getrunken und las. Die besagte Stelle brachte mich fast dazu in die S-Bahn zu kotzen. Eigentlich finde ich das Buch aber gar nicht schlecht. Es ist keine hochliterarische Lektüre, nein. Aber irgendwie gefällt es mir. Mir gefällt der Umgang der Hauptfigur mit ihrem Körper und diese Faust-Schlag-Leichtigkeit.

Gestern hab ich Tango tanzen gelernt und Eric unser Tanzlehrer ist echt streng. Fast schon militärisch streng. Aber gut. (Mir tut alles weh.)

Herze euch
Hasenherz