Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Weich wie Knetmasse April 29, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 2:15

Sitze hier in einer Schulung in Münster. Spannend und anstrengend und auch mühsam, weil es immer mal wieder Wartezeiten gibt.
Nachdem wir letze Woche in einem super-schrecklichen Hotel gewohnt haben, sind wir diese Woche sehr verwöhnt. Das Factory Hotel hier in Münster ist wirklich toll. Nette Leute, schöne Zimmer, beeindruckende Architektur. Empfehlenswert!

Morgen fahren Zoé und ich nach Hamburg. Und werden viele Leute treffen. Ich freue mich sehr darauf und mir ist auch etwas bang. Aber es ist gut so. Ich möchte es und auch das lässt mich hoffen. Dass ich endlich verstehen will. Und nicht verstehen muss aus einer Notwendigkeit heraus, sondern verstehen will aus mir heraus. Sowieso gefällt mir das Licht zurzeit. Ich bin weich wie Knetmasse.

Hach, hach.
Hasenherz

 

Wechselbalg in meiner Brust April 25, 2009

Gespeichert unter: Samstag, Sonntag — hasenherz @ 11:15

Schon lustig, wie wandelbar alles ist. Manchmal komme ich mir vor wie ein Wechselbalg. Ein Wesen, das heute hier und morgen dies sein kann. Heute Büro gezügelt, und Einweihungsparty im engsten Kreise veranstaltet. Picknick draussen auf unserer Terrasse mit Blick auf die Hardbrücke.

Der Abend gestern mit Peer hat mich sowas von in eine andere Welt katapultiert. Es ist, als hätte ich nicht nur zwei, sondern ein ganzes Duzend Seelen in meiner Brust.

Was der morgige Tag wohl bringt? Lassen wir uns überraschen, nicht wahr? Lassen wir uns überraschen.

Umarmung, Hasenherz

 

Ein fröhliches Gedicht für Mauz! April 25, 2009

Gespeichert unter: Samstag — hasenherz @ 6:38

Das ist ein kurzer, kleiner, feiner Beitrag für Mauz. Mauz ist eine unglaubliche Frau. So wunderschön und so expressiv und mit viel Tiefe. Und Mauz ist eine unglaublich gute Geschichtenerzählerin.

Nun also extra für Mauz dichte ich ein fröhliches Gedicht:

Mein Haltbarkeitsdatum ist abgelaufen.
So unhaltbar nun also frei und sehr berührt.
Zwischen Grashalmen gelegen,
vom Berg aufs Meer gesehen,
gar nicht mehr verlegen – das Leben ist schön.

Mein Spiel zu Ende, die Halbzeit längst vorbei.
So ausser Atem bedingungslos befreit.
Durch die Welten und über die Spitze hinaus,
über Feld und Stock und Stein,
ziehe ich so viel daraus – das Leben ist schön.

 

Pferdedecke Traurigkeit (und drunter bunte Smarties) April 18, 2009

Gespeichert unter: Samstag — hasenherz @ 9:23
Viele, viele bunte Smarties!

Viele, viele bunte Smarties!

Ich lese „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner. Eine sehr präzise und doch irgendwie „leichte“ Beschreibung dieser schweren, lähmenden Krankheit Depression. Mir gefallen die Bilder, die Sarah Kuttner schafft. Sie redet zum Beispiel von der „Pferdedecke Traurigkeit“. Das gefällt mir. Zumal ich die Gefühle, die sie beschreibt (die angeworfene Lähmung, das Herzrasen, die Ausweglosigkeit im Kopf) in den letzten Monaten doch besser kennengelernt habe, als mir lieb ist.

Gestern Abend war irgendwie crazy. In unserer zweiten Heimat war der Bär los und ich seeeeeeehr seltsam drauf. War aber schön und ich muss sagen, dass ElfElf ein paar Seiten hat, die ich noch nicht kannte, jetzt aber sehr mag und ich bin froh, diese Seiten kennengelernt zu haben. Irgendwann morgens haben wir uns bei einem Selecta-Automaten wiedergefunden und dort wurden wir von Mercedes (keine Ahnung, wie er wirklich hiess, aber Mercedes passt irgendwie zu ihm) angequatscht. Mercedes wollte mir seinen Zweifränkler zeigen. Ja, ja, ICH habe mich auch gewundert.

Nach vier Stündchen Schlaf – die man nicht als erholsam bezeichnen konnte – heute morgen ins Entlebuch. Im Entlebuch sass ich mit den 3 Maries um einen runden Tisch und wir sangen uns die Seele aus dem Leib. Genau solche verrückten und unerwarteten Situationen sind es, die die Pferdedecke Traurigkeit verschwinden lassen.

Heute Abend nun also im Arsch.

Ach ja, Wurmbrand sagte eben, dass man sähe, dass ich heute mit einem Drucker zu tun hatte. Ob ich die Farbpatronen über mir ausgegossen hätte? Ihr solltet mich sehen. Echter Hippie-Scheiss.

 

Einsam, zweisam, dreisam April 13, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 6:38

Sonntag. Mit Erkältung und Gliederschmerzen in der Bäcki. Und allen, allen Freunden. Wir haben von drei Uhr bis acht Uhr gebruncht und Sonne getankt.

So sieht ein Brunch auf der Bäcki aus

So sieht ein Brunch auf der Bäcki aus

Danach zu Wurmbrand nach Hause und Filme geschaut. Zum Schluss kam dann noch Dr. Death und das war der Hammer. Echt gute Gespräche, sehr grosse Offenheit und Wurmbrand hat seine polemische Moderationsseite voll ausleben können.
Dann standen Badana, Dr. Death und ich unten auf der Strasse, morgens um vier. Es ist schon lustig, wie plötzlich etwas Wirklichkeit werden kann, das bis anhin in keinster Weise hätte Wirklichkeit werden können. Lustig, wie sich das Licht ändern kann. Und das nachts.

Heute dann schlafen und auskurieren und auf dem Balkon sitzen und Tee trinken und „Das Buch der Antworten“ befragen. Später wieder Bäcki mit Badana und Martilli.

Was für ein tolles Osterwochenende. Alles erhalten, alles geschenkt bekommen. Und so viele bezaubernde Menschen um mich herum. Ich glaub, ich spinn.
Hasenherz

 

Willkommen zurück, Vampirherz April 12, 2009

Gespeichert unter: Sonntag — hasenherz @ 11:22
Auf die Hügelkuppe zu

Auf die Hügelkuppe zu

Gestern war ich ja im Appenzell. Und ich hatte so grosse Lust auf Grün, auf Wiese und auf Horizont. Und alles hab ich bekommen. Wir sind auf die Hügelkuppe zugegeangen. Der rote Abendhimmel hinter der grasgrünen Kuppe im Blick, der milde Wind am Kopf. Dann endlich standen wir auf der Kuppe und der Blick war überwältigend. Der Bodensee glänzte in der Ferne, die Hügel mit ihren Dörfchen und Kirchturmspitzen lagen lieblich eingebettet. Und wir wie zwei Sterne auf dem Weihnachtsbaum zuoberst dem Wetter ausgesetzt.

Manchmal verhält es sich mit den Augen wie mit der Natur. Blauer Himmel, grüne Wiese. Alles an seinem Platz, alles ganz, ganz richtig.

Und Erkenntnis. Es liegt nie am Gegenüber. Nicht das Gegenüber ist das Problem. Sondern ich bin das Problem. Ich weiss, dass das unfair ist. Doch es ist so, dass meine Zugeneigtheit fehlt. Nie die des Gegenübers. Ich bin verwöhnt. Und doch so sehr gestraft. Willkommen zurück, Vampirherz! Herzlich Willkommen!

Hasenherz

PS: Stunden zuvor im Café Stickerei in St. Gallen. Würde ich in St. Gallen leben, wäre es definitiv mein Lieblingslokal.

 

Wein & Erdbeeren April 11, 2009

Gespeichert unter: Samstag — hasenherz @ 7:59

Vom Gründonnerstag auf Karfreitag mit der coolen Clique Leichen im Keller gespielt bis morgens um 6. In einer fremden Küche übernachtet. Mit Kaffee und Erdbeeren geweckt worden. Sosososchön.

Am Karfreitag auf Wiesen gesessen – mit wechselnden Gegenüber. Ich liebe meine Freunde. Dann Wein aus Plastikbechern mit Austen am See. Heute Blumenwiesen im Appenzell.

Seltsame Sonne. Seltsame Zeit. So viel Zeit für Unerwartetes.
Froh,
Hasenherz

PS: Lese „So ist es gewesen“ von Natalia Ginzburg. Verwirrendes und gutes Buch. Mit offen gelegtem Herz.

 

Endlich. April 5, 2009

Gespeichert unter: Samstag — hasenherz @ 2:25

Kein Tag wie jeder andere. Wie viel Zeit ist gerade vergangen? Ein Jahr? Ein Monat? Ein paar Stunden? Ich weiss es nicht. Es ist vier Uhr morgens, ich sitze in meiner Küche und dieser Tag, diese Nacht, war so beispielhalft, dass ich sie euch nicht vorenthalten kann, nicht vorenthalten will. Erstens. Frühling. Als hätte Petrus einen Vertrag mit Amor, wurde es plötzlich Frühling. Mit einem Schlag. Ich habe mich so nach Frühling gesehnt und als dann Frühling eingetreten ist, war ich überfordert und konsterniert. Doch: ich habe mich darauf eingelassen. Zweitens. Schreiben. Heute habe ich mit vielen Leuten über meine Schreibe geredet, habe erstaunliches Feedback erhalten, war verblüfft, verunsichert, fasziniert. Drittens. Theater. Theater so ambivalent wie das Leben selbst. Viertens. Ich. Die Nachträume haben mich gestreift in einer von Wahnisnn befallenen Art, in einer seltsamen Mischung aus Heimat und vollkommenem fremd sein.  Als ich da war, da war für meine Freundinnen, in guten und – wie sagt man so schön – schlechten Zeiten, als ich Verständnis hatte, Typen für sie anquatschte, zuhörte,  bei mir war, nur, um bei ihnen zu sein, sie aufgefangen habe, als sie drohten zu fallen, da war dieses Selbstverständnis endlich zurück. Als ich mit ihm gesungen habe, über die dröhnende und für den Abend unpassende Musik hinweg, aus voller Kehle und im Wissen, um die Wichtigkeit dieser Geste, da habe ich dieses Selbstverständnis endlich gefühlt. Und als mir Nina sagte, dass sie so unheimlich froh ist, dass ich hier bin und das, obwohl ich Nina an diesem Abend erst kennenlernte, da wusste ich das Selbstverständnis hat sich verselbstständigt, ist endlich und wirklich und wahrhaftig Teil von mir. Und als Christoph von seiner Band erzählt hat, von dieser abartig komischen Hippie-Rock Mischung, da lachte ich innerlich und ich wusste – endlich – dass Heimat nur ich bin, dass es so einfach und so schmerzhaft und so faszinierend logisch ist. Jetzt, da ich betrunken – weil ich mir endlich die Kante gegeben habe, endlich losgelassen – da verstehe ich was es heisst, was es heisst, dieses schwarze Herz zu tragen, zu ertragen. Endlich.

Zum Glück habe ich diesen Tag erlebt, zum Glück.
Hasenherz