Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Ohrensessel im Blumenbeet Juni 28, 2009

Gespeichert unter: Sonntag — hasenherz @ 8:27
Faust

Faust

„Und fragst du noch, warum dein Herz sich bang in deinem Busen klemmt?“ (Goethe, Faust)

Nein, keine Angst, ich werde mich nicht der Magie zuwenden. Dafür bin ich zu sehr im Leben verhaftet. Gestern war Wollishofen-Fest. Dafür hatten wir ein paar Monate gearbeitet und es hat sich gelohnt. Das Fest dauerte 20 Stunden und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Von der Burg hat gespielt und Knuts Kapelle und es gab buntes Kinderprogramm am Nachmittag mit Hühnerstreichelzoo und Wände besudeln (ihr hättet das Haus nachher sehen sollen, es war von oben bis unten angemalt). Ich habe einen Drachentöter kennengelernt, der (noch) fliegen kann. Die Gespräche mit ihm waren sehr anregend und da hab ich ihm seine Arroganz verziehen. Ein Akkordeon-Privat-Konzert im Estrich hab ich bekommen, alte Freunde wieder gesehen und den Journi mit den schrägen Augen rumgeführt. Ach, schade, dass das alte Haus in Wollishofen abgerissen wird, wirklich schade.

Am Freitag hatte ich ein lustiges Gespräch mit einem Arbeitskollegen. Nennen wir ihn Eddie. Eddie sagte, dass ihm Dates zu mühsam sind, weil man da Blumen bringen muss. Ich habe mich gefragt, wie das so weiter geht in seinem Leben, wenn er mit seinen jungen 22 Jahren (oder sind es 21?) Dates als mühsam empfindet und „Blumen bringen“ als feste Grösse, sozusagen als Preis für das Kennenlernen eines anderen Menschen abseits von Alkohol und wilden Partynächten betrachtet. Ich behaupte mal, Eddie fällt es nicht schwer jemanden kennenzulernen in der Disco. Nur. Was, wenn die Beliebigkeit sich über diese Begegnungen legt? Was, wenn das Vampirherz gelangweilt? Wehe! Vielleicht hat der Drachentöter gar nicht so unrecht, wenn er Ohrensessel quer durchs Haus, hinaus in den Garten schleppt – nur, um eine Aufgabe zu erfüllen, nur, um die Begegnung der Beliebigkeit zu entreissen.

 

Jahaha! Southside! Juni 22, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 2:50

Montag morgen nach dem Southside ist irgendwie ärgerlich. Weil: Southside ist vorbei, mir steckt noch der Kater in den Knochen und die Müdigkeit im Hintern (höhö) und der Fernfahrermodus ist noch nicht ganz in den „Ich benehme mich wie eine normale Frau“-Modus zurückgewechselt. Jahahaha! Das Southside war echt geil, ich kann mir gar nicht erholen, so schön war dieses Wochenende! Hach.

Es hat geregnet, es war saukalt, es war schlammig – und trotzdem: Es hat grossen Spass gemacht. Badana und ich sind Hippie-mässig durch die Zeit gezogen und haben viel erlebt. Zum Beispiel haben wir „Lass die Finger von Emanuela“ wunderschönst per Telefon gesungen bekommen. Und dann haben wir noch Pandi und Merwin kennengelernt, die eigentlich Andi und Erwin hiessen, die kommen aus München, sagten sie und haben uns morgens um 8 Uhr Kaffee spendiert und auch sonst waren sie samten. Badana hat mit ihren glänzenden Stiefeln gepunktet und ich hätte beinahe auf dem Tisch getanzt (hätte es einen Tisch gehabt, ich hätte es bestimmt getan).

Wie schön es ist, so einfach nichts zu denken und nichts zu tun haben und einfach nur bei sich zu sein!
Hasenherz

PS: Übrigens: Ich rieche nach französischem Acker – wurde mir gesagt. Ähm. Ja.

 

Hasenherz fordert das Glück heraus Juni 14, 2009

Gespeichert unter: Sonntag — hasenherz @ 2:07

Als dieses Wochenende am Freitag gegen 18 Uhr begonnen hat, habe ich mich gefragt, ob ich Glück erfahren würde. Ob mir das Wochenende eine speziell glückliche Erfahrung bieten würde – und siehe da! Manchmal erreicht einem das Glück schräg von der Seite, von da, von wo man nie im Leben damit gerechnet hätte. Und nun sitze ich also hier – es ist Sonntag Nachmittag – in meiner Küche, meine Wohnung erstrahlt in neuem Glanz, es ist heiss, die Sonne scheint (Sommer!) und bald, bald stellt sich heraus, wie gross mein Glück sein wird, ob es sich lediglich um ein kleines Glück handeln wird oder um ein ganz grosses Glück. Ich bin sehr gespannt, bin aufgeregt und mir ist auch etwas bang. Wie immer, wenn man den Fuss anhebt, um den Schritt durch die Tür zu machen. Drückt mir die Daumen!

 

Ich, der Menschenfresser Juni 10, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 10:54

Habe gerade in ein Leseexemplar hineingelesen, das sehr interessant aussieht. Es heisst „Don Ottos Klassikkabinett“ und wurde von Mauricio Botero verfasst (ein Verwandter des Malers).  Wie auch immer… Darin fand ich folgenden Satz: „Ich war er, und ich verstand ihn.“ Dieser Satz erinnerte mich an ein Gespräch mit Peter, die meine Art, Menschen psychisch aufzufressen, nicht verstand. Nicht, dass sie nicht verstehen wollte, Peter ist einfach von einem anderen Schlag und ihr sind solche Dinge eher fremd. Meine Eigenart ist also, mich so sehr auf mein Gegenüber einzulassen, bis ich zu ihm werde, bis ich die Gefühle und die Neigungen verinnerlicht habe. Das Gute daran: Ich kann die Probleme, Ängste und Gedanken des Gegenübers sehr, sehr gut nachvollziehen und bin eine tolle Zuhörerin. Das weniger Gute daran: Es braucht Tage, bis ich mein jeweiliges Gegenüber wieder aus meinem Organismus raus habe. Noch Tage später bin ich dem Menschen nah und sozusagen „voll von ihm“. Ich nenne das liebevoll „Psycho-Kater“. Das ist nicht immer ganz einfach, vor allem, weil es viele Menschen gibt, die auf diese Form von Nähe mit Aggression, irritierter Distanziertheit, Kälte oder dann gegenteilig mit Verliebtheit reagieren. Eigentlich logisch. Denn wer kann schon damit umgehen, wenn jemand spielend so viel Nähe zulässt, dass es sich wie „bemächtigen“ anfühlt? Und trotzdem: Ich finde es wahnsinnig spannend. Ich kann gar nicht anders sein. Alles andere wäre mir viel zu langweilig. Und meine Langeweile ist mein grösster Feind.

 

Harzig, zäh & dickflüssig Juni 3, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 1:47

atompilzHach.

Heute dreht die Welt sich harzig – irgendwie. Alles zäh wie Leder und dickflüssig wie Sirup. Manchmal wünschte ich mir, dass es in meinem Kopf etwas heller und in meinem Herzen etwas weniger staubig.

Tja.

Ach, wär ich doch ein Atompilz, der sich zum Himmel erhebt und die Welt eindunkelt und alles mit sich reisst, was grad zu nah und grad zu zufällig. Vielleicht könnt ich mich dann auch gleich mitreissen. So mitreissend mitreissen.

Grummel.

So, fertig düstere Gedanken. Die Sonne scheint (!), das Leben ist schön (!), meine Haare riechen nach Honig (!), im Radio läuft Highway to Hell (!) und mein Lieblingsbuch ist heute „Oh, wie schön ist Panama“ (!).

Und die Antwort des Nachmittags lautet: „Sieh dich nach Alternativen um“.