Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Grinsekatze November 25, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 12:58
Alice und die Grinsekatze

Alice und die Grinsekatze

„Hauptsache, ich komme irgendwo hin“, sagte Alice.
„Das wirst du sicher, wenn du lange genug gehst“, sagte die Katze.
(Lewis Carroll „Alice im Wunderland“)

Heute bin ich Grinsekatze. Heute geht es mir gut. So richtig gut. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, ich habe wenig geschlafen, viel getrunken und suche aus der Verwirrtheit Sicherheit zu gewinnen.

Gestern Abend hab ich Zermatt gerochen. Schon lustig, wie man einen Geruch mit einem Ort verbindet. Zermatt riecht nach Schnee, nach kalter Bergluft und einbisschen auch nach Metall und Tiefgarage. Ich liebe den Geruch von Tiefgaragen. Und den Geruch von Zermatt lieb ich auch. Sogehtdas.

„Mit dem Wind, dem Wasser und dem Feuer / Bin ich noch in keiner Weise quitt, / Aber meine Traumesabenteuer / Öffnen mir die Pforten ungeheuer, / nehmen mich zum Morgensterne mit.“ (Anna Achmatowa)

 

Am Arsch hinä! November 23, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 2:11

Am Arsch hinäMein Wort zum Montag – ganz kurz und präzise:

Am Arsch hinä! Schnauze! Ihr könnt mir gestohlen bleiben! Geht weg mit euren aufgesetzten Gesichtern, mit euren Rechtfertigungen und euren mies gelaunten Drunterlieg-Persönlichkeiten. Lasst mich doch einfach in Ruhe, geht mir aus dem Weg, bleibt mir vom Leib! Stellt eure blöden Fragen eurer Grossmutter! Seid demütig, klein, löst euch in Luft auf! Geht dahin, wo der Pfeffer wächst. Nehmt euch nicht so wichtig, gebt doch endlich Ruhe – bleibt gelassen!

(Kleine Einschränkung – sozusagen die Packungsbeilage: Die Worte oben gelten nicht für meine Freunde, nicht für die Guten und auch nicht für die Höflichen.) *over and out*

 

Wachen, lesen, lange Briefe schreiben November 18, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 12:23

Gestern habe ich eine sehr kryptische Mail von Kauz bekommen. Kauz schreibt, er hätte am Wochenende Gedichte gelesen und bei folgendem Gedicht an mich denken müssen:

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
(Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris)

Das Lustige daran ist, dass ich vor einem Jahr an unserer Familien-Weihnachtsfeier jedem der Beteiligten eine Karte mit Gedicht geschrieben habe. Ein Gedicht, das zur jeweiligen Person passen sollte (den Hintergrund dazu erklär ich jetzt nicht, das wär zu kompliziert und ist eine andere Geschichte). Mir selbst hab ich obiges Gedicht ausgewählt. Es begleitet mich also seit einem Jahr und man könnte es (wenn man daran glauben würde) fast schon prophetisch nennen.

Ich werde gut daran tun, dieses Jahr etwas vorsichtiger zu sein in meiner Gedicht-Auswahl für mich. Vielleicht sollte ich folgendes Gedicht wählen?:

Liebesbrief

So kann es nun nicht weitergehn!
Das, was besteht, muss bleiben.
Wenn wir uns wieder wiedersehn,
Muss irgendetwas geschehn.
Was wir dann auf die Spitze treiben.
Was – was auf einer Spitze tut?
Gewiss nicht Plattitüden.
Denn was auf einer Spitze ruht,
Wird nicht so leicht ermüden.
Auf einer Bank im Grunewald
Zu zweit im Regen sitzen,
Ist blöd. Mut, Mädchen! Schreibe bald!
Dein Fritz! (Remember Spitzen).
(Joachim Ringelnatz)

 

Kommt Zeit! November 16, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 10:47
Ich und Elfriede, der Kaktus

Ich und Elfriede, der Kaktus

uääääääääääääääääääää!

Was ist am meisten hasse an einem Montagmorgen: Ungerechtfertigte Anschnauz-Mails im Postfach. Es gibt nix schlimmeres. Da ist man doch glatt nen Tag lang mies gelaunt. Aber nicht mit mir! Ha!

Denn ich und mein Büro-Kaktus sind schon beinahe ready den Ort des Geschehens zu verlassen. Nur noch zwei Wochen und einen Tag. Wahnsinn.

Am Wochenende haben Badana und ich eine Gamer-Jungs-Night gesprengt und haben es fertiggebracht, dass die Herren dann doch noch getanzt haben. Dann haben wir morgens um 4 zusammen mit Fäbu eine Telko mit Frankfurt (wars Frankfurt?) abgehalten. Das war lustig! Christian hat uns ohne einmal Atem zu holen seine gesamten Wochenerlebnisse erzählt.
Und mein schönster Wochenend-Moment: In unserer zweiten Heimat wurden wir sehr nett und charmant auf ein Bier eingeladen.

„Die zwei grössten Tyrannen der Erde: der Zufall und die Zeit.“
(Johann Gottfried von Herder)

 

auch ohne Glück November 12, 2009

Gespeichert unter: Donnerstag — hasenherz @ 11:02

auch ohne glück

 

Grenzlinie November 2, 2009

Gespeichert unter: Montag — hasenherz @ 11:29

Wenn Vergangenheit auf Zukunft trifftHeute hat ein seltsames Gefühl von mir Besitz ergriffen. Es fühlt sich an, als ob was mit meinem Zuckerspiegel nicht in Ordnung ist. So ein bisschen schwächlich, schwindlig und neblig. Vielleicht liegts ja daran, dass Montag ist und dass ich mich ausgelaugt fühle und etwas festgefahren. Dabei war mein Wochenende sehr schön. Ich habe Alex kennengelernt (eine echt coole Frau, sie führt einen Erotik-Laden), bin mit roten Strümpfen, hohen Absätzen und einem schwarzen, kurzen Rock durch die Weltgeschichte spaziert, habe feinen Geburtstagskuchen gebacken bekommen und war an einem fantastischen Konzert von Lisa Ekdahl. Kein Grund zur Klage. Kein Grund für einen Schwächeanfall. Kein Grund für gar nix.

Aber vielleicht ist das alles ja ganz normal. Vielleicht fühlt es sich einfach so an, wenn Vergangenheit auf Zukunft trifft.

Nun schreite herab, titanischer Bursche,
Und wecke die vielgeliebte Schlummernde dir!
Schreite herab, und umgürte
Mit zartlichten Blüten das träumende Haupt.
Entzünde den bangenden Himmel mit
lodernder Fackel,
Daß die erblassenden Sterne tanzend ertönen
Und die fliegenden Schleier der Nacht
Aufflammend vergehen,
Daß die zyklopischen Wolken zerstieben,
In denen der Winter, der Erde entfliehend,
Noch heulend droht mit eisigen Schauern,
Und die himmlischen Fernen sich auftun in leuchtender Reinheit.
Und steigst dann, Herrlicher du, mit fliegenden Locken
Zur Erde herab, empfängt sie mit seligem Schweigen
Den brünstigen Freier, und in tiefen Schauern erbebend
Von deiner so wilden, sturmrasenden Umarmung,
Öffnet sie dir ihren heiligen Schoß.
Und es erfaßt die Trunkene süßeste Ahnung,
Wenn Blütenglühender du das keimende Leben
Ihr weckest, des hohe Vergangenheit
Höherer Zukunft sich zudrängt,
Das dir gleich ist, wie du dir selber gleichst,
Und deinem Willen ergeben, stets Bewegter,
Daß an ihr ein ewig Rätselvolles
In hoher Schönheit sich wieder künftig erneuert.
(Das Morgenlied von Georg Trakl)