Tod durch Buecher – Hasenherz' Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Traurig blau 9. Januar 2012

Einsortiert unter: Montag — hasenherz @ 11:05
Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon. - Jean de La Fontaine

Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon. - Jean de La Fontaine

“Wolken ohne Schatten,
auf der Südseite aber,
ist ein Stückchen Himmel
traurig blau.”
(Fernando Pessoa aus “As nuvens são sombrias…”)

Dieser, mein Januar fühlt sich für mich an, wie ein grosses Atemholen. Wie ein langer, andauernder Seufzer. Mein Silvester war schön und versöhnlich. Meine ersten Wochen im neuen Jahr gespickt mit warmen Erlebnissen. Als würden die Menschen mir mit mehr Aufmerksamkeit begegnen. Mit einem liebevollen Blick, mit einer Hand auf der Schulter, die “alles wird gut” sagt. Traurigkeit fühlt sich wie ein sattes Dunkelgrau an. Anhaltende Traurigkeit wie sattes Dunkelgrau mit einem tiefen Ton unterlegt. Trotz aller Traurigkeit aber weiss ich, dass dieser Weg, den ich gehe, richtig ist. Dass es für mich diesmal nur diesen einen Weg gibt – leider. Ich drehe es und wende es und jedes Mal verstehe ich auf’s Neue, dass ich nicht anders kann.

“Stumm betrachte ich den See,
den eine Brise kräuselt.
Nichts weiss ich, wenn ich an das Ganze denke
oder es ist das Ganze, das mich vergisst.”
(Fernando Pessoa aus “Contemplo o lago mudo”)

So lasst uns also seufzen, über Brücken gehen, tief Atem holen, in die Weite sehen, den Wasserhahn tropfen hören, den Stimmen folgen, in uns hineinsehen und manchmal dabei lächeln. Zuversicht ist heute mein grösstes Gut.

 

Was zu ertragen ist 3. Januar 2012

Einsortiert unter: Dienstag — hasenherz @ 11:47

“Bleib gelassen mein Herz! Schon grössere Freiheit ertrugest du.” (Frei nach Homer)

Nun denn. 2012 ist also da und ich atme langsam ein, trete von einem Fuss auf den anderen und versuche meine Hände, meine nervösen Hände, im Zaum zu halten. Langsam trete ich vor den Spiegel und sehe in mein bleiches Gesicht. Eine Badezimmerlampe flackert kurz und geht dann aus. Ich betätige den Lichtschalter, einmal, zweimal, die Lampe bleibt stumm. Leise fluche ich und setze mich im fahlen Licht der übrig gebliebenen Lampe auf den Badewannenrand und putze mir die Zähne. Die weissen Kacheln blicken mich vorwurfsvoll an und meine nackten Beine zittern. Ich glaube nicht, dass meine Augenringe heute wegzubringen sind. Ich glaube nicht, dass es einfacher wird.

By Barbara Licha

By Barbara Licha

 

 
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