Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Hut ab! September 29, 2009

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Schauspielhaus Zürich, 31. Januar 2009, 21.41 Uhr (Foto: Frank)

Schauspielhaus Zürich, 31. Januar 2009, 21.41 Uhr (Foto: Frank)

Es gibt Momente, an die erinnert man sich gern. Damals, als der Moment Gegenwart war, fand man den Moment gar nicht lustig. Oder zumindest anstrengend. Nicht wegen den Äusserlichkeiten. Nein, ganz und gar nicht. Sondern wegen der Innerlichkeit. So ein Moment war der 31. Januar 2009, 21.41 Uhr. Ich sass zusammen mit Frank im Schauspielhaus Zürich und schaute mir „Immanuel Kant“ an. Frank hatte ich gerade an diesem Abend kennen gelernt und er war ein Glückstreffer. Ein sehr netter Zeitgenosse, spannend, intelligent und er sieht gut aus. Nun ist es aber so, dass ich damals im tiefsten Sumpf von übelstem Liebeskummer sass – es war zum heulen. Und wer die Erfahrung von tiefstem, übelstem Liebeskummer mit mir teilt, wird mir Recht geben, wenn ich sage, dass in einem solchen Moment Blinddates (oder Ähnliches) nicht unbedingt gerade total viel Spass machen. Aber sie sind notwendig. Denn zum Überleben gibt es nichts Besseres als Wagemut. Und genau aus diesem Grund erinnere ich mich heute gern an den Moment im Schauspielhaus. Nicht, weil es mir damals besonders gut ging, nein. Sondern weil es mir heute gut geht und ich bei mir denken kann: „Hut ab! Du hast es überlebt. Und noch nicht mal schlecht überlebt. Respekt.“ Ich tue also gut daran, mich immer mal wieder an den Moment im Schauspielhaus zu erinnern. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Zeit wirklich heilt. Heute also dies: „Süss ist es, allem Ungemach entflohen zu sein.“

 

schneller weiter höher niedriger tiefer schneller breiter leben September 15, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 9:41

„Ein Wort kann sie töten, ein Lächeln ein Blick.“ (Tadeusz Rósewicz)

Nach langem Durst oder grossem Hunger, ohne, dass dieser gestillt oder genährt wurde, taucht ein Wesen auf aus der Flut, ein Halbwesen, ein Wesen, durch das kein Blut fliesst, das niemals schläft. Ein solches bin ich nun. Ich kenne das bereits, es ist nichts Neues oder Ungewöhnliches. Der Vorteil dieser Lebensphase ist, dass es nichts gibt (ausser vielleicht der Tod und auch der ist sehr unwahrscheinlich), das einen verletzen könnte. Es gibt nichts und niemanden. Es ist, als ob sich jedes Risikobewusstsein oder jede Form von Pech oder Ungeschicktheit vorübergehend verabschiedet hätte. In dieser Phase ist man äusserst gefährlich für andere Menschen. Weil man leuchtet, irisierend ist. Weil man anzieht. Und eben auch abstösst. Weil man keine Härte fühlt und keine Gefahr. Weil man gleichgültig ist. Weil man Macht hat und von dieser Macht auch Gebrauch macht. Weil man sich keiner Schuld bewusst ist. Weil man Sätze sagt wie „Ich werde dich verletzen.“ Und den anderen dann auch wirklich verletzt. Aber man hat ja gewarnt!

Dieser Phase werde ich entwachsen, ich werde meinen Glanz verlieren, werde wieder fühlen können, werde meine Gleichgültigkeit aufgeben und wieder Mensch werden. Bestimmt. Irgendwann. In der Zwischenzeit versuche ich meine Kräfte sparsam einzusetzen. Ich versuche nicht allzu sehr zuzubeissen.Versprochen!

Schneller essen trinken lesen leben

schneller lieben / weiter fahren

fliegen mehr schneller reden

schneller auseinandergehen abgehen zurücklassen

mehr hören sehen

anschauen anfassen riechen

anschauen besitzen schmecken

lieben hier sein dort sein

und noch wo sein

lauter lachen stossen / laufen atmen schneller / mehr

schneller weiter höher niedriger tiefer schneller breiter leben

essen trinken schlafen / lieben

länger leben

(Tadeusz Rósewicz)

 

Die Mathematik des Verrats Juli 28, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 3:43

Badana hat mir empfohlen „Die Mathematik der Nina Gluckstein“ zu lesen. Ich bin sehr gespannt. Der Klappentext verspricht ja so einiges: „Ist Nina Gluckstein tatsächlich die Frau, die weiss, wie die Liebe funktioniert? Selten ist die Liebe so auf das Wesentliche reduziert dargestellt worden wie in dieser Novelle. Zugleich eine Liebesgeschichte voller Raffinesse und subtiler Spannung. Die Mathematik der Nina Gluckstein ist eine Mathematik des Herzens, des Liebens und des Geliebtwerdens.“ Uiuiuiui. Bald bin ich unendlich viel gescheiter!

Ich habe gerade „Verkaufen“ von Clancy Martin zu Ende gelesen. Und es hat mir gefallen. Ein verrücktes Buch. Es geht um einen Diamanten-, Schmuck- und Uhrenhändler, der nicht nur Diamanten, Schmuck und Uhren verkauft, sondern auch sein Herz, seine Seele. Die Philosophie des Verkaufens (oder wollen wie „die Mathematik des Verkaufens“ sagen?) wird sehr präzise und eindringlich dargestellt.

Etwa so?

So vielleicht?

Bei mir im Geschäft passiert gerade etwas sehr unheimliches (und sehr menschliches): Irgend eine Mitarbeiterin (und dass es eine Frau ist, hat mir meine Chefin verraten) „schwärzt“ mich seit Wochen bei meiner Chefin an. Ich würde beim Arbeiten die Füsse auf den Tisch legen (????), ich würde es zu locker nehmen, zu wenig lang arbeiten, etc. Wenn ich dann meine Chefin frage, ob sie denn auch das Gefühl hätte, ich würde es zu locker nehmen, dann sagt sie: „Nein! Ich weiss ja, dass das nicht stimmt! Ich wollte dir nur sagen, dass du beobachtet wirst.“ Ich kann nur den Kopf schütteln. Ich meine: Hallo?! Wie respektlos ist das denn? Diese ominöse Mitarbeiterin ist noch nie direkt auf mich zugekommen. *seufz* Menschen gibts…

 

Alle Sünden dieser Welt Mai 19, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 2:44

„Alt werden ist natürlich kein reines Vergnügen. Aber denken wir an die einzige Alternative.“ (Robert Lemke)
Wir denken erst im Herbst über die Alternative nach.  Im Frühling und im Sommer dieses Jahres werden wir erstmal alt. Und zwar so richtig alt. Sowas von höllisch alt, dass man gar nicht älter werden kann.

Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat.“ (William Somerset Maugham)
Und darum, bevor wir im Herbst über die Alternativen nachdenken, begehen wir im Frühling und im Sommer dieses Jahres alle Sünden, die man begehen kann und werden dabei alt. Ihr wisst schon, so richtig alt. Damit niemand sagen kann, wir hätten uns keine Mühe gegeben. Das wär ja noch schöner…

 

Hippies müssen nie weinen März 31, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 11:26
Mein nächstes Leben lebe ich als Hippie

Mein nächstes Leben lebe ich als Hippie

Ich möchte ein Hippie sein, im warmen Solar
Dann müsste ich nicht mehr schrei’n
Alles wär so klar

Hippies müssen nie weinen

Ich möchte ein Hippie sein, im warmen Solar
Hippies müssen nie weinen
Dann müsste ich nicht mehr schrei’n, alles wär so klar

Ich möchte ein Hippie sein, im warmen Solar
Dann müsste ich nicht mehr schrei’n
Alles wär so klar

Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen…

 

Den Frühling herbeisehnen März 10, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 3:04

VollOpteMann und ich haben da so eine Vision. Oder wie möchte man das nennen? Ein Zukunftsbild. Folgendes:

seebadiWir sitzen mit einem Drink in der Hand (natürlich ist der Drink orange, oder rot oder gelb-rot, mit Schirmchen!) in einer Seebadi-Bar (zum Beispiel im Seebad Enge) auf einem Floss, die Füsse im Wasser. Es ist später Abend, es ist wunderbar warm. Über unseren Köpfen eine Lichterkette. Da gibt es Nachtgeräusche, Wind in den Bäumen, Menschen die lachen. Hab ich schon erwähnt, dass es wunderbar warm ist? Ja? Gut.

Mit diesem Sommernachtbild im Kopf hangeln wir uns von Graupelschneeregenkältetag zu Graupelschneeregenkältetag. Manchmal, wenn VollOpteMann nicht so voll opte gut drauf ist (was natürlich höchst selten vorkommt), erinnere ich ihn an die Lichterketten. Ich glaube, es hilft. Hoffentlich!

Bald ist Frühling!
Hasenherz

 

Und dann kam Clotilde… Februar 24, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 3:48
Clotilde, Catherine & Marise (hier sich noch traulich zugewandt)

Clotilde, Catherine & Marise (hier sich noch traulich zugewandt)

Nachdem ich „Bis(s) zum Ende der Nacht“ verschlungen habe, lese ich jetzt eine echte Buchperle. Ein kleines, feines Büchlein aus dem Dörlemann Verlag. Und es gefällt mir wahnsinnig gut. Nur schon die Aufmachung. Es ist in türkise Leinen gebunden, hat ein rotes Leseband und ein tolles Coverbild. Der Titel dieser Buchperle ist: „Liebesgeschichte„. Die Autorin, Louise de Vilmorin, wurde 1902 in Paris geboren und war mal mit Antoine de Saint-Exupéry verlobt. Hier ein Auszug:

»Während Catherine Valle-Didier als verheiratete Frau zur Verschwiegenheit neigte, führte ihre gute Freundin Marise Lejeand, die keinen Ehemann mehr hatte, ein recht offenes Leben. Zwischen beiden bestand nicht die geringste Ähnlichkeit, vielleicht waren sie sich gerade deswegen so nah.  Jede staunte unablässig über die andere, während sie sich zugleich als Komplizinnen fühlten, in welcher Angelegenheit blieb allerdings unklar.«

Sehr unterschiedliche Freundinnen also. Bis ein Mann kommt und alles aus dem Gleichgewicht gerät. Das würde ja alles noch gehen. Doch dann kommt Catherines junge Tochter (Clotilde) und findet ebenfalls gefallen an diesem besagten Mann. Ihr seht, reichlich Explosionsstoff. Und in einer wundervollen Sprache geschrieben. So, genau so, sollte Frühlingsliteratur sein. Zurückhaltend, unterhaltend, begeisternd und grandios anregend.

Herzlich, Hasenherz

 

Morgenrot (oder: Anfang) Januar 27, 2009

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 10:10

Lichterglanz, Sternentanz
Mondgeschichte, Hauptgerichte
Sommerhoch im Nachtgewand

Firmament auf Butterbrot
Langzeittod durch Gummischrot
Mondhund, Esel, Hühnerbein
Willst Du immer, immer bei mir sein?

 

Mädchenmörder Juni 3, 2008

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 10:28

Dieses Wochenende hatte ich Schule. Und hab meine Grossmutter in Basel besucht. Dann wars auch schon wieder rum, das Wochenende. Irgendwie muss ich mir mal Zeit für Nichts freischaufeln. Ist ja nicht zum Aushalten, dieses ewige „keine Zeit haben“, „im Stress sein“. Vielleicht sollte ich mir mal ein paar Ratgeber kaufen, die Titel tragen wie „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam“ oder „Das neue 1×1 Zeitmanagement„. Leider hab ich WIRKLICH keine Zeit diese Bücher zu lesen…

Habe „Mädchenmörder – Ein Liebesroman“ von Thea Dorn gelesen. Mann, mann, mann. StarkerTubak. Aber gut. Ja, wirklich nicht schlecht. Thea Dorn soll ja bekannt sein für ihre gruseligen und hochspannenden Bücher – hat mir eine Buchhändlerkollegin erzählt.

Heute Abend besuche ich zusammen mit Zoé einen Photoshop-Kurs. Kann euch also bald mit lustigen Bildli überraschen, die dann nicht mehr so ganz gebastelt aussehen (hoffentlich).

Herzlich,
Hasenherz

 

Entsetzliche Konfusion April 22, 2008

Gespeichert unter: Dienstag — hasenherz @ 4:04

Bin ziemlich erschöpft. Uiuiui. Mein Körper rastet aus und ich ignoriere ihn. Das ist doch ne tolle Partnerschaft! Das ist wie wenn die Ehefrau Rotz und Wasser heult und der Ehemann sitzt auf dem Sofa und guckt Fussball. Mein Körper hat schon recht, wenn er todbeleidigt ist.

Habe heute im Zug „24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau“ von Constance de Salm zu Ende gelesen. Dann hab ich aus lauter Langeweile das Nachwort gelesen und das hat mich dann doch etwas erstaunt. Der Herr Karl-Heinz Ott, der das Nachwort schreibt, beschreibt die Gefühlszustände der Erzählerin als „Zustände schlimmsten Aussersichseins und entsetzlicher Konfusion“. Darüber war ich etwas erstaunt, denn beim Lesen des Briefromans konnte ich die Gefühle der Erzählerin durchaus nachvollziehen. Ihr heimlicher Geliebter, den sie aus gesellschaftlichen Gründen noch nicht öffentlich machen kann, steigt mit einer anderen Tussi mit grossem Busen und wallenden Gewändern in ne Kutsche und braust davon. Sie hört von ihm nix obwohl er sich normalerweise täglich meldet. Na, wie würdet ihr reagieren? Eben. Vor allem da sie keine Möglichkeit hat, ihn zu erreichen und wegen der Heimlichtuerei auch nicht darf. Ich persönlich würde die Zustände ja als piepschnurz-normal beschreiben. Und nicht als „schlimmsten Aussersichseins“. Klar, dass die Dame gröber angepisst ist… Tja, egal. Das Buch ist jedenfalls lesenswert.

Herzlich,
Hasenherz

PS: Die aktuelle Rangliste:

Platz 1: Machete (Weil er einfach toll ist. Sogehtdas.)
Platz 2: Herr Fischer (Weil er sich in Geduld übt und übt und übt. Dabei auch mal auf die Schnauze fällt, sich aber nicht unterkriegen lässt.)
Platz 3: Depri-Fuchur (Weil er für Überraschungen gut ist. Und auf Freaks steht. Gut so!)
Platz 4: Nein!Rolf! (Oha. Ziemlich runtergerutscht in der Rangliste. Man sollte auch nicht in den „Ostblock“ reisen mit einer Dame von Welt!)
Platz 5: Wollwanderer (Wollwanderer hat seine Anschlüsse zusammengeschlossen. Oder wie war das?)
Platz 6: Zampano (Zampano hat keine Haare mehr im Gesicht und hat auch sonst so einiges verloren…)