
Rasch, auf die Wange Oktober 29, 2009
Abschiede sind immer schwierig. Heute ist der letzte Arbeitstag von Zoé. Genauer: der letzte Arbeitstag den Zoé und ich gemeinsam haben. Und auch ich werde nicht mehr lange arbeiten, wo ich gerade arbeite. Manchmal stimmt mich das traurig. Denn ich mach die Arbeit gern und ich liebe das Team. Es wird mich schwer fallen, hier wegzugehen. Andererseits freue ich mich auf mein Leben ab Dezember. Ich freue mich auf die Freiheit, auf die Abenteuer, auf die Zeit. Das erste Mal im Leben gebe ich mir Raum um zu tun, was mir gerade einfällt. Viel zu lange habe ich gewartet. Natürlich. Ich habe auch Angst. Was fängt man mit Freiheit an? Wohin streben die Gedanken, wenn man Zeit hat sich Gedanken zu machen? Was tut man mit seinen unruhigen Händen, wenn man nicht tausend Sachen gleichzeitig erledigen muss? Wie fülle ich den Raum, der momentan leer ist – nur ein paar Staubknäuel enthält? Vielleicht schliesse ich zuerst die Fenster, vielleicht lege ich Kissen aus, vielleicht zünde ich eine Kerze an, vielleicht male ich ein Bild und hänge es an die leere, weisse Wand. Vielleicht lade ich Freunde ein und spiele mit ihnen – auf dem Fussboden sitzend – das Flaschenspiel. Vielleicht lache ich und vielleicht weine ich auch einbisschen. Ganz sicher aber werde ich endlich mal wieder atmen. Richtig tief einatmen.
„Wenn dein Schiff fährt, wird es fahren.
Wenn ich winken muss, werde ich winken.
Wenn ich dich zum letzten Mal küssen darf, werde ich es so tun, rasch, auf die Wange.“
(Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan)
Ab ans schwarze Meer August 27, 2009

Meer, Meer, Meer!
Endlich Ferien. Für zwei lange Wochen fahre ich ans schwarze Meer, zwei lange Wochen lang werde ich nichts tun ausser lesen, lieben und lachen.
Ihr dürft neidisch sein. Auf bald!
Hoppla! Oder: Heute bin ich die Seeräuber-Jenny Juli 31, 2009
Nina Gluckstein gefällt übrigens bis jetzt wirklich gut. Aber dazu ein andermal mehr.
Heute bin ich die Seeräuber-Jenny und singe aus voller Kehle:
Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Aber eines Abends wird ein Geschrei sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Geschrei?
Und man wird mich lächeln sehn bei meinen Gläsern
Und man sagt: Was lächelt die dabei?
Und ein Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird liegen am Kai.
Man sagt: Geh, wisch deine Gläser, mein Kind
Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen, und das Bett wird gemacht!
(Es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht.)
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Aber eines Abends wird ein Getös sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Getös?
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
Und man sagt: Was lächelt die so bös?
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschiessen die Stadt.
Meine Herren, da wird ihr Lachen aufhören
Denn die Mauern werden fallen hin
Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich.
Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von dem Streich
Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein
Und man fragt: Warum wird das Hotel verschont?
Und man wird mich sehen treten aus der Tür am Morgen
Und man sagt: Die hat darin gewohnt?
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beflaggen den Mast.
Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten
Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
Und fragen: Welchen sollen wir töten?
Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
Wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird entschwinden mit mir.
Darf ich dir eine Frage stellen? Juli 23, 2009
Die Fragen der Aktion für ein kluges Zürich erinnern mich an den Fragebogen von Max Frisch. Und der Fragebogen von Max Frisch erinnert mich an meine Lieblingsfragen, die da wären:
- Hast du dich immer nur in Frauen/Männer mit einer bestimmten Augenfarbe verliebt? Wenn ja, welche Farbe?
- Welches war deine grösste Krise im Leben?
- Bist du verspielt?
- Wie sieht dein Luftschloss aus?
- Magst du deine Hände?
- Isst du gerne Mohnkuchen?
- Wie lange dauerte deine längste Liebesbeziehung?
- Küsst du gern?
- Welches ist dein wichtigster Wert?
- Wie lautet dein zweiter Vorname?
- Bist du künstlerisch begabt? Wenn ja, wie genau?
- Was liest du gerade?
- Was magst du lieber: Sonnenuntergänge oder Sonnenaufgänge?
- Deine Schuhgrösse?
- Welches ist deine momentan heimlichste sexuelle Fantasie?
- Welches ist deine liebste Jahreszeit?
- Was magst du gar nicht?
- Wenn du ein Tier wärst, welches Tier wärst du?
- Welches ist dein liebster Geruch?
- Arbeitest du gern?
- Auf einer Skala von 1 – 10, wobei 1 „gar nicht“ und 10 „sehr, sehr, sehr“ bedeutet: wie optimistisch bist du?
- Glaubst du an den Zufall?
- Reagierst du auf Stress eher mit Bauchweh oder eher mit Kopfweh?
- Welches ist dein ausgeprägtester Wesenszug?
- Welches Urlaubsziel wäre dir am liebsten: Japan, Chile oder Berlin?
- Hast du schon mal eine Person gleichen Geschlechts geküsst?
- Glaubst du an einen Gott?
- Welches war dein schönstes Erlebnis im Leben?
- Sprichst du unangenehme Dinge an oder lässt du sie lieber vorbeiziehen?
- Redest du mit deinen Freunden über Sex?
- Welche Frage kannst du entschieden nicht mit einem „Nein!“ beantworten?
- Umgibst du dich mit Menschen aufgrund ihres Aussehens oder aufgrund ihres Charakters?
Ich als neugieriger Mensch liebe Fragen. Ich liebe es Fragen zu stellen. Und ich beantworte liebend gerne Fragen. Wenn du mich also das nächste mal zufällig auf der Strasse triffst, dann erwarte ich, dass du mir eine richtig gute Frage stellst. Zum Beispiel diese: „Wem wärst du lieber nie begegnet?“
Kein Klub, kein Klub, kein, kein Mai 28, 2009

So würde der Türsteher aussehen vor dem Klub, wo ich bestimmt NIE aufgenommen werden würde.
„Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen. “ (Groucho Marx)
Ich meine, das ist doch das Grundproblem. Sagt zumindest Claudio. Und Claudio muss es ja wissen. Er ist schliesslich mein Gewissen und geistiger Vater in einem.
Ein perfekter Teufelskreis. Der Klub, der mir die Mitgliedschaft verweigert, dem will ich beitreten. Der, der mich aufnimmt, den finde ich doof. Auf einen Klub zu hoffen, der so tut, als wolle er einem nicht aufnehmen und einen dann doch heimlich aufnimmt, kann man ja nicht hoffen, nicht wahr?
Blödes Zeugs, das.
Fragen Mai 21, 2009
Schreib mir, was du anhast! Ist es warm?
Schreib mir, wie du liegst! Liegst du auch weich?
Schreib mir, wie du aussiehst! Ist’s noch gleich?
Schreib mir, was dir fehlt! Ist es mein Arm?
Schreib mir, wie’s dir geht! Verschont man dich?
Schreib mir, was sie treiben! Reicht dein Mut?
Schreib mir, was du tust! Ist es auch gut?
Schreib mir, woran denkst du? Bin es ich?
Freilich hab ich dir nur meine Fragen!
Und die Antwort hör ich, wie sie fällt!
Wenn du müd bist, kann ich dir nichts tragen.
Hungerst du, hab ich dir nichts zum Essen
Und so bin ich grad wie aus der Welt
Nicht mehr da, als hätt ich dich vergessen.
Hasenparade März 19, 2009
Nur für euch – gestern entstanden, die Hasenparade!

Zombiehasenparade auf dem Weg in den Abgrund.
Zwielichtzweifel Februar 19, 2009
Sagen wir so: Was kann an Jacob falsch sein, wenn Edward das Zeitliche gesegnet hat?
In den Schmerz atmen Februar 12, 2009
Mein Kickbox-Trainer hat mir etwas beigebracht: Er sagt, ich solle in den Schmerz atmen. Bei sehr anstrengenden Übungen, wenn ich das Gefühl habe, ich kann nicht mehr und instinktiv den Atem anhalte, soll ich bewusst tief einatmen. Die Überwindung ist jeweils gross und es braucht viel Kraft, doch es hilft. Lustigerweise hilft es. Sobald man am Zenit des Schmerzes angekommen ist, ist er wie weggeblasen.
Dieser in-den-Schmerz-atem-Trick hilft übrigens auch bei seelischen Schmerzen. Tief durchatmen. Durchatmen. Durchatmen. In der Mitte des Tornados ist es totenstill.
In diesem Sinne: Es mag so aussehen, als läge Schnee, doch in Wirklichkeit ist der Frühling steinwurf-nah.
Herzlich,
Hasenherz