Tod durch Buecher – Hasenherz’ Blog

Warum Worte Leben retten – oder auch nicht

Grinsekatze November 25, 2009

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Alice und die Grinsekatze

Alice und die Grinsekatze

„Hauptsache, ich komme irgendwo hin“, sagte Alice.
„Das wirst du sicher, wenn du lange genug gehst“, sagte die Katze.
(Lewis Carroll „Alice im Wunderland“)

Heute bin ich Grinsekatze. Heute geht es mir gut. So richtig gut. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, ich habe wenig geschlafen, viel getrunken und suche aus der Verwirrtheit Sicherheit zu gewinnen.

Gestern Abend hab ich Zermatt gerochen. Schon lustig, wie man einen Geruch mit einem Ort verbindet. Zermatt riecht nach Schnee, nach kalter Bergluft und einbisschen auch nach Metall und Tiefgarage. Ich liebe den Geruch von Tiefgaragen. Und den Geruch von Zermatt lieb ich auch. Sogehtdas.

„Mit dem Wind, dem Wasser und dem Feuer / Bin ich noch in keiner Weise quitt, / Aber meine Traumesabenteuer / Öffnen mir die Pforten ungeheuer, / nehmen mich zum Morgensterne mit.“ (Anna Achmatowa)

 

Wachen, lesen, lange Briefe schreiben November 18, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 12:23

Gestern habe ich eine sehr kryptische Mail von Kauz bekommen. Kauz schreibt, er hätte am Wochenende Gedichte gelesen und bei folgendem Gedicht an mich denken müssen:

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
(Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris)

Das Lustige daran ist, dass ich vor einem Jahr an unserer Familien-Weihnachtsfeier jedem der Beteiligten eine Karte mit Gedicht geschrieben habe. Ein Gedicht, das zur jeweiligen Person passen sollte (den Hintergrund dazu erklär ich jetzt nicht, das wär zu kompliziert und ist eine andere Geschichte). Mir selbst hab ich obiges Gedicht ausgewählt. Es begleitet mich also seit einem Jahr und man könnte es (wenn man daran glauben würde) fast schon prophetisch nennen.

Ich werde gut daran tun, dieses Jahr etwas vorsichtiger zu sein in meiner Gedicht-Auswahl für mich. Vielleicht sollte ich folgendes Gedicht wählen?:

Liebesbrief

So kann es nun nicht weitergehn!
Das, was besteht, muss bleiben.
Wenn wir uns wieder wiedersehn,
Muss irgendetwas geschehn.
Was wir dann auf die Spitze treiben.
Was – was auf einer Spitze tut?
Gewiss nicht Plattitüden.
Denn was auf einer Spitze ruht,
Wird nicht so leicht ermüden.
Auf einer Bank im Grunewald
Zu zweit im Regen sitzen,
Ist blöd. Mut, Mädchen! Schreibe bald!
Dein Fritz! (Remember Spitzen).
(Joachim Ringelnatz)

 

Tu deine Flügel auf! Oktober 14, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 11:46
Szene aus "Berliner Reigen". Ein Film frei nach Schnitzlers Drama "Der Reigen"

Szene aus "Berliner Reigen". Ein Film frei nach Schnitzlers "Der Reigen"

So, stilles Dunkel,
tu deine Flügel auf!
Sei mein einzig Funkel
in hellem ewgen Lauf.

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Grade im Vollstress bei der Arbeit. Und zwischendurch – sozusagen zur Entspannung – kurz ein kleines Gedicht geschrieben. Mitten auf der Grenze zum hysterischen Zappeln.

Zum Glück hab ich den Schnitzler, den ich gerade lese. Seine Theaterstücke. Wirklich wunderbar vergnüglich.

 

Als ob das komisch wär September 23, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 3:47

Gerade hat mir einer meiner Lieblingsarbeitskollegen – nennen wir ihn Miraculix  – per Chat folgenden Satz mitgeteilt: „An meine Bürotür habe ich mit Blut geschrieben: Das Äussere des Irrenhauses.“
Bedenklich, ich weiss. Aber auch verständlich. Auch ich würde gerne sowas an meine Bürotüre schreiben. Leider habe ich keine Bürotüre. Ich habe nur Glas. Nichts als Glas um mich herum. Wenn das nicht schon Grund genug ist, verrückt zu werden…

Um Miraculix aufzuheitern, hier mal ein fröhliches Gedicht:

Der Komiker
Ein Komiker von erstem Rang
Ging eine Straße links entlang.
Die Leute sagten rings umher
Hindeutend: Das ist der und der!
Der Komiker fuhr aus der Haut
Nach Haus und würgte seine Braut.
Nicht etwa wie von ungefähr,
Nein ernst, als ob das komisch wär.

(Joachim Ringelnatz)

 

Quentchen Fragmentchen August 12, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 4:04
Etwas wütend, vielleicht?

Etwas wütend, vielleicht?

Wut ist ein seltsames Gefühl. Aber auch ein sehr heilsames. Ich koche gerade.
Und unter der Wut liegt auch immer Trauer und Unverständnis und Ohnmacht.

In der Vorbemerkung von „Don Ottos Klassikkabinett„, das ich gerade lese, steht: „Nur für einen kurzen Augenblick steht das Bild vor uns; doch ebendiese Kürze beweist, dass das Fragment mehr umfasst als das Ganze.“

In dieser Wut, genau auf dem Gipfel, genau in der Mitte des Orkans, herrscht Stille. Und diesen Lidschlag lang bleibt die echte Wirklichkeit für einmal nicht verborgen. Jetzt, da die Wut abflaut, bleibt das Gefühl zurück. Ich bin verwirrt aber auch erleichtert.

Das ist es also, nicht wahr? Das ist also mein neues Leben? Ich kann es noch nicht fassen. Doch alles zeigt in diese Richtung. Und auch wenn Ikarus sagt, dass „loslassen“ bloss ein Bild ist, das in meiner WC-Galerie hängt, bin ich doch davon überzeugt, dass etwas in mir stattgefunden hat, jetzt, eben in dieser Wut.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Abend.

Kickt eure Verlorenheit in den See, schmeisst eure Einsamkeit in den nächsten Mülleimer. Seid gelassen.

 

So verging meine Zeit Juli 15, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 12:49

Mein Essen ass ich zwischen den Schlachten
Schlafen legte ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
(Auszug aus „An die Nachgeborenen“ von Bertold Brecht)

Nachdem der gestrige Tag der blanke Horror war (angefangen hat es schon beim Aufwachen: „Morgen-Danach-Gefühl“), hat sich der Abend dann wohlwollend gezeigt und mich zu Herrn Meyer an den Tisch gesetzt. Herr Meyer hat Flausen im Kopf, die sich gut mit meinen Pelztieren verstehen. Schön, wenn das Gespräch so anregend ist, dass man die Tatsache vergisst, die Nacht zuvor nur 2 Stunden geschlafen zu haben, sich bei der Arbeit mit Biestern rumschlagen zu müssen und dann noch Opfer der schlechten Laune seiner Freunde geworden zu sein.

Vielleicht – wenn ich dann Ebene 200 erreicht habe – werde ich die Natur mit Geduld betrachten, die Liebe nicht achtlos pflegen und die Mörder in meinem Bett von der Bettkante schubsen. Vielleicht.

 

Es ist ne echt schöne Zeit, … Juli 1, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 2:21

… wenn die ganze Stadt nach Linde riecht. Riecht ihr das? Es riecht wie Jasmin! So süss… Hach, ich mag das.

 

Ich, der Menschenfresser Juni 10, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 10:54

Habe gerade in ein Leseexemplar hineingelesen, das sehr interessant aussieht. Es heisst „Don Ottos Klassikkabinett“ und wurde von Mauricio Botero verfasst (ein Verwandter des Malers).  Wie auch immer… Darin fand ich folgenden Satz: „Ich war er, und ich verstand ihn.“ Dieser Satz erinnerte mich an ein Gespräch mit Peter, die meine Art, Menschen psychisch aufzufressen, nicht verstand. Nicht, dass sie nicht verstehen wollte, Peter ist einfach von einem anderen Schlag und ihr sind solche Dinge eher fremd. Meine Eigenart ist also, mich so sehr auf mein Gegenüber einzulassen, bis ich zu ihm werde, bis ich die Gefühle und die Neigungen verinnerlicht habe. Das Gute daran: Ich kann die Probleme, Ängste und Gedanken des Gegenübers sehr, sehr gut nachvollziehen und bin eine tolle Zuhörerin. Das weniger Gute daran: Es braucht Tage, bis ich mein jeweiliges Gegenüber wieder aus meinem Organismus raus habe. Noch Tage später bin ich dem Menschen nah und sozusagen „voll von ihm“. Ich nenne das liebevoll „Psycho-Kater“. Das ist nicht immer ganz einfach, vor allem, weil es viele Menschen gibt, die auf diese Form von Nähe mit Aggression, irritierter Distanziertheit, Kälte oder dann gegenteilig mit Verliebtheit reagieren. Eigentlich logisch. Denn wer kann schon damit umgehen, wenn jemand spielend so viel Nähe zulässt, dass es sich wie „bemächtigen“ anfühlt? Und trotzdem: Ich finde es wahnsinnig spannend. Ich kann gar nicht anders sein. Alles andere wäre mir viel zu langweilig. Und meine Langeweile ist mein grösster Feind.

 

Harzig, zäh & dickflüssig Juni 3, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 1:47

atompilzHach.

Heute dreht die Welt sich harzig – irgendwie. Alles zäh wie Leder und dickflüssig wie Sirup. Manchmal wünschte ich mir, dass es in meinem Kopf etwas heller und in meinem Herzen etwas weniger staubig.

Tja.

Ach, wär ich doch ein Atompilz, der sich zum Himmel erhebt und die Welt eindunkelt und alles mit sich reisst, was grad zu nah und grad zu zufällig. Vielleicht könnt ich mich dann auch gleich mitreissen. So mitreissend mitreissen.

Grummel.

So, fertig düstere Gedanken. Die Sonne scheint (!), das Leben ist schön (!), meine Haare riechen nach Honig (!), im Radio läuft Highway to Hell (!) und mein Lieblingsbuch ist heute „Oh, wie schön ist Panama“ (!).

Und die Antwort des Nachmittags lautet: „Sieh dich nach Alternativen um“.

 

Die Liebe besteht aus … Kartoffelbrei! Mai 27, 2009

Gespeichert unter: Mittwoch — hasenherz @ 4:08

„Die Liebe besteht zu drei Viertel aus Neugier.“ sagte einst Giacomo Casanova. Ich frage mich, woraus sie denn noch besteht. Was könnte das letzte Viertel sein? Dummheit? Naivität? Egozentrik? Oder doch eher aus Kartoffelbrei? Nun gut, ich glaub, ich brauch mal frische Luft.

Schönen Regenluftabend!
Hasenherz